Wenn es etwas länger dauert...
Falke Kyle Helms: Warten auf den Klapperstorch
VonMarc Thorwartlschließen
Die Familie verfolgt das Spiel in Dresden live im Fernsehen.
Sie hätten ihn so dringend benötigt. Beim Spiel der Heilbronner Falken in Dresden wurden die zündenden Ideen von Spielmacher Kyle Helms schmerzlich vermisst. Es war keine Verletzung oder Erkrankung, die den Einsatz des 30-jährigen Mittelstürmers verhinderte. Vielmehr wartet er auf Nachwuchs.
Als Geburtstermin war der 16. September terminiert. "Meine Frau Laura bekommt das hin, dass ich zum Saisonstart dabei sein kann", hatte er vor Wochen noch erklärt und dabei gelacht. Er sollte Recht behalten. Selbst beim Auswärtsspiel in Freiburg trat er an. Vorsorglich war Mannschaftbetreuer Fabian Krull mit Helms Privat-Auto dorthin gefahren: "Für den Fall der Fälle. Falls die Wehen einsetzen, dann kann er damit schnell nach Hause fahren."
Doch der neue Erdenbürger hat keine Eile, zur Welt zu kommen. Trotzdem ließ Falken-Coach Fabian Dahlem Helms am Sonntag zu Hause: "Es gibt im Leben wichtigerer Dinge als Eishockey. Das kann ich ihm und seiner Frau nicht zumuten. Deshalb sind wir ohne ihn gefahren." Was aber nicht bedeutet, dass der gebürtige Kanadier mit deutschem Pass nicht mitfiebert. Daheim. Am Fernseher. SpradeTV macht's möglich. Der Internet-Sender überträgt die DEL2-Spiele aus fast allen Stadien der Liga.
Mit stoischer Ruhe verfolgt Helms das Geschehen auf dem Bildschirm. Aufmerksam, aber ohne hitzige Emotionen. "Das war ein Foul", sagt er in der siebten Minute. Als ob der Schiedsrichter ihn gehört hätte, hebt der den Arm, und die Falken spielen Unterzahl.
Seine Frau Laura hat es sich auf einem Stuhl neben der Coach bequem gemacht: "Mit der senkrechten Lehne im Rücken sitze ich bequemer." Ihr Mann kontert: "Vielleicht solltest du unbequemer sitzen, damit das Kind kommt." Beide lachen, sind tiefenentspannt. Dann wird wieder das Spielgeschehen verfolgt.
Bumm, bumm, bumm! Schnell liegen die Falken mit 0:3 zurück. Helms bleibt ganz ruhig. "Die Jungs kommen noch." Und wie! Mit der Pausensirene erzielen sie den Ausgleich, der dann aberkannt wird.
In der Drittelpause kümmert sich Helms um seine Frau und Tochter Leyla. Er spielt mit ihr, herzt sie, bringt ihr etwas zum Trinken, blättert mit ihr das Saisonheft der Falken durch und lässt sie die Spieler erraten.
Hilfe erfährt er dabei von seiner Schwiegermutter Karen Slater, die extra aus Kanada gekommen ist, um die Familie in den ersten Tagen vor und nach der Geburt zu unterstützen. "Mein Dad kommt nächste Woche auch noch", erklärt Laura Helms.
Das zweite Drittel startet. Der Ausgleich fällt. "Jetzt müssen sie schnell nachlegen", sagt Helms. Die Chancen sind da. Aber auch Dresden bleibt immer gefährlich. "Big Save", entfährt es ihm, als Ersatz-Goalie Niklas Deske eine Großchance der Eislöwen zunichte macht. Der Rest ist bekannt. Am Ende unterliegen die Falken knapp mit 5:4.
Es folgt eine Kurzanalyse: "Wir müssen das Unterzahlspiel verbessern." Knapp und präzise auf den Punkt gebracht. "Wir schauen eigentlich immer SpradeTV, wenn die Falken auswärts antreten. Meist sind mehrere Spielerfrauen dann hier bei uns", sagt seine Frau. Wird dann auch das Spiel angeschaut oder doch mehr getratscht? "Das Spiel wird ganz genau verfolgt, der Tratsch erfolgt in den Drittelpausen."
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