Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Wetter-Modell verblüfft mit seltener Dezember-Karte: Was uns im Winter drohen könnte

  • VonDominik Jung
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Das US-Modell CFS bricht mit seinem Muster – und deutet erstmals seit Langem auf einen Dezember mit Überraschungspotenzial hin. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Die aktuelle Langfristkarte des US-Wettermodells CFSv2 (NOAA) für Dezember 2025 sorgt für Nervosität in der Wetter-Community. Das Modell, bekannt für seine fast durchgehend zu warmen Winterprognosen, schlägt dieses Mal eine deutlich andere Tonlage an: Statt milder Temperaturen in ganz Europa zeigt sich in Mitteleuropa erstmals wieder ein fast „normaler“ Monat – bezogen auf das Referenzklima 1991–2020.

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Das allein ist bemerkenswert, denn dieses Modell tendiert in der Regel zu positiven Temperaturanomalien. Dass es nun zurückrudert, könnte ein unterschätztes Signal sein – eines, das auf einen dynamischeren, winterlichen Witterungsverlauf hindeuten könnte.

Weiße Weihnachten 2025? Noch völlig offen – aber plötzlich nicht mehr ausgeschlossen

Gerade weil das Modell regelmäßig „zu warm“ lag, sorgt diese Karte für Gesprächsstoff: Könnte der Dezember 2025 tatsächlich kälter verlaufen, als wir es aus den vergangenen Jahren gewohnt sind? Die NOAA gibt jedenfalls keinen Anlass zur typischen Entwarnung in Richtung „mild und nass“. Skandinavien und Osteuropa zeigen klare Pluswerte von +1 bis +2 K, doch in Mitteleuropa bleibt es bei -0,5 bis maximal +0,5 K – also im Bereich der statistischen Unsicherheit. In einem Modell mit warmer Schlagseite kann das bereits als unterschwelliger Kältehinweis gelesen werden.

Natürlich bleibt alles im Bereich des Spekulativen. Der Zeitraum, aus dem die Modellrechnung stammt (Ende Juli bis Anfang August), ist weit vom Dezember entfernt. Doch dass das Modell zu diesem frühen Zeitpunkt keine klare Westwinddominanz oder durchweg zu warme Witterung zeigt, ist ungewöhnlich – und ein kleiner Hoffnungsschimmer für alle Winterfans. Es ist eine Wetterlage denkbar, bei der sich kontinentale Kälte Luft aus Osten oder Norden Raum verschafft, während der Atlantik blockiert wird.

Dazu müsste jedoch auch der stratosphärische Polarwirbel mitspielen. In schwacher Form kann er die Frontalzone stören – was den Weg frei macht für winterlich geprägte Wetterlagen. Noch ist all das nicht mehr als eine Idee, ein mögliches Szenario. Doch es bleibt festzuhalten: Das CFS zeigt dieses Mal kein klares „zu warm“ – und das allein ist fast schon eine meteorologische Sensation.

Ein seltenes Modellverhalten, das Fragen aufwirft

Was steckt dahinter? Warum rechnet das CFS – fast gegen seine Natur – mit einem eher unspektakulären, neutralen Dezember? Eine mögliche Antwort liegt in einer aktuell schwächelnden Atlantikzirkulation oder einer beginnenden Umstellung im ENSO-System. Vielleicht aber sieht das Modell etwas, das wir noch nicht sehen: einen Winter, der früher kommt, als wir es gewohnt sind – mit Frost, Schnee und vielleicht sogar weißen Weihnachten. Noch bleibt alles offen – aber für einen kurzen Moment fühlt sich der Winter plötzlich wieder möglich an.

Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA / CFS-Klimamodell

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