Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Wetter-Modell rechnet mit milden Winter-Monaten – dennoch Anzeichen für gestörten Polarwirbel

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Wird der Winter 2025/26 mild oder doch eher frostig? Zwei Prognosen widersprechen sich. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Das US-Wettermodell CFSv2 der NOAA sorgt aktuell für Aufsehen: Die neueste Prognose, basierend auf den Modellläufen vom 19. bis 28. Juli 2025, zeigt für den Winter 2025/26 (Dezember bis Februar) nahezu flächendeckend positive Temperaturabweichungen in Europa. Besonders Osteuropa, Skandinavien sowie Teile Russlands stechen mit Abweichungen von bis zu +3 Grad hervor. Auch der Sommer scheint einigen Modellen zufolge weiterhin unüblich zu verlaufen.

Auch Deutschland liegt deutlich im Plusbereich, meist zwischen +0,5 und +2,0 Grad über dem Mittel der Referenzperiode 1991–2020. Selbst Südeuropa zeigt eine milde Tendenz. Diese Karte lässt kaum Raum für winterliche Illusionen: Die NOAA stellt sich auf einen durchweg zu warmen Winter ein – besonders in der Osthälfte Europas.

Der Wintertrend des CFS-Modells der US-Wetterbehörde NOAA. Unterm Strich ein überwiegend milder Winter.

Ein gestörter Polarwirbel könnte alles kippen

Gleichzeitig mehren sich jedoch Hinweise auf eine mögliche Störung des Polarwirbels. Erste Stratosphärenanalysen deuten auf eine instabile Struktur hin, die sich im weiteren Verlauf des Herbstes manifestieren könnte. Ein gestörter Polarwirbel, verbunden mit plötzlichen Stratosphärenerwärmungen (SSW), kann den Jetstream stark abschwächen oder umlenken – und kalte Luftmassen aus der Arktis bis weit nach Mitteleuropa führen.

In der Vergangenheit führten solche Konstellationen häufig zu massiven Kälteeinbrüchen in der zweiten Winterhälfte. Die aktuelle ENSO-Lage – Übergang von El Niño zu neutralen Bedingungen – spricht zudem nicht explizit gegen einen kalten Winterverlauf. Vielmehr bleibt das Nordhemisphärenmuster ein wackeliger Faktor mit Überraschungspotenzial.

Meteorologisches Patt mit Spannungspotenzial

Was bleibt ist ein klassischer Prognosekonflikt: Auf der einen Seite steht das statistisch gestützte, dynamische Langfristmodell CFSv2, das mit seiner großräumigen Auflösung einen sehr milden Winter simuliert. Auf der anderen Seite mahnen synoptisch denkende Meteorologen, die in den Stratosphärensignalen klare Hinweise auf mögliche Winterkälte erkennen.

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Für Wetterinteressierte und Langfristbeobachter bietet der kommende Winter also eine Art meteorologisches Patt – mit offenem Ausgang. Vieles hängt nun davon ab, wie sich die Stratosphäre entwickelt, ob der Polarwirbel tatsächlich gestört wird und in welchem Maß diese Störung auf den Troposphärenfluss durchgreift. Die große Bühne des Winterwetters ist bereitet – doch der Hauptdarsteller ist noch nicht entschieden. Derzeit sorgt auch der Sommer für Wetter-Überraschungen.

Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA / CFS-Wettermodell

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