Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Hurrikan nimmt seltene Entwicklung – Wetter-Phänomen zeigt sich aktuell in Europa
- VonDominik Jungschließen
Manchmal steckt hinter einem gewöhnlichen Herbststurm eine Geschichte, die viel weiter zurückreicht, als wir glauben würden. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Wenn der Herbsthimmel grau wird und der Regen gegen Fenster trommelt, glauben wir, das sei nur das übliche nasskalte Wetter. Doch nicht alle Tiefdruckgebiete, die uns heimsuchen, sind „nur“ regionale Erscheinungen. Manche tragen eine ferne Herkunft in sich, die sich verschluckt von Wolken und Stürmen erst in ihrem Verlauf zeigt. Von außen betrachtet sind sie unspektakulär, alltäglich – aber ihre wahre Geschichte beginnt in einer anderen Welt, weit jenseits unseres Blickfelds. Die Spur bleibt verborgen, bis sie sich plötzlich in Form von Sturm, Regen und Energie entlädt.
Weit über dem Atlantik, dort, wo das Meer noch vom Spätsommer glüht, formt sich oft etwas Heimliches. Ein Sturm entsteht, aber er ist nicht wie jeder andere: Er nimmt Energie auf, wandelt sich, breitet sich unsichtbar aus und macht sich auf den Weg. Er verliert an Farbe, an Gestalt, er verschwindet förmlich – aber trägt weiter Kraft und Feuchtigkeit in sich. Und wenn er sich schließlich zeigt, ist es nicht klar, ob er schon lange auf dieser Reise war oder sich gerade offenbart. Er trifft uns unerwartet – mit einer Fracht, die oft stärker ist, als wir vermuten.
Wetter-Phänomen beginnt oft schon tausende Kilometer zuvor
Dann steht er plötzlich vor unserer Tür – der unsichtbare Sturm. Der Regen wird heftiger, der Wind kühn, die Luft ungewöhnlich warm – als sei etwas Größeres im Gange. In solchen Momenten merkt man kaum, dass wir Teil eines weitreichenden Phänomens sind, das tausende Kilometer zuvor begann. Und genau das ist das Rätsel dieses Phänomens: ein Sturm, der unser Wetter formt, ohne dass wir seine Herkunft ahnen.
Hurrikan Erin wuchs in kürzester Zeit zu gewaltigem Sturm heran – an extrem seltenem Punkt
Ein aktuelles Beispiel dafür ist Hurrikan Erin: Er begann als tropischer Sturm über dem Atlantik und wuchs binnen 25 Stunden zu einem gewaltigen Hurrikan der Kategorie 5 heran – und zwar an einem Punkt, an dem solche Intensivierungen extrem selten sind. Später wandelte er sich, wanderte über den Ozean und beeinflusst nun auch Europa mit seinen Ausläufern. Man sieht ihn kaum – bis er spürbar wird.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten




Auch aktuell zeigt sich das Wetter in Deutschland von seiner wechselhaften Seite. Neben Unwettern ist vielerorts auch mit Hagel und Sturmböen zu rechnen. Die Prognosen für den Herbst 2025 zeigen währenddessen ungewöhnliche Trends: zu warm, teils zu trocken, vielleicht ein goldener Oktober.
Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com
