Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Hitze-Wetter in Deutschland: Siebenschläfertag naht – was er über unseren Sommer verrät
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Bald ist Siebenschläfertag – eine Bauernregel warnt: So wie jetzt das Wetter ist, so bleibt es wochenlang. Was droht uns? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Der Siebenschläfertag am 27. Juni ist ein traditioneller Lostag in der Bauernregel-Kultur. Der Name hat jedoch nichts mit dem gleichnamigen Nagetier zu tun: Er geht auf eine alte Legende aus dem Christentum zurück. Der Überlieferung nach wurden im Jahr 251 sieben junge Christen in einer Höhle bei Ephesus eingemauert und erwachten dort erst nach Jahrhunderten wieder – angeblich am 27. Juni. Aus dieser Geschichte entwickelte sich der Siebenschläfertag, an dem man früher meinte, das Wetter der kommenden sieben Wochen vorhersehen zu können. Und auch wenn der Termin nicht mehr ganz mit dem heutigen Kalender übereinstimmt (durch die gregorianische Kalenderreform verschob sich der Lostag eigentlich auf Anfang Juli), wird der Zeitraum um den 27. Juni bis etwa 10. Juli noch immer genau beobachtet.
Wetter-Vorhersage für Deutschland: Wie verlässlich ist die Bauernregel?
Die Bauernregel lautet: „Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“ Meteorologisch lässt sich dieser Zusammenhang durchaus nachvollziehen – allerdings nicht exakt für einen einzelnen Tag. Stattdessen ist die Großwetterlage rund um Ende Juni und Anfang Juli entscheidend. Wenn sich zu dieser Zeit ein stabiles Hochdruckgebiet über Mitteleuropa aufbaut, bleibt es oft wochenlang heiß und trocken. Statistische Auswertungen zeigen, dass in Süddeutschland die Regel mit rund 60–70 Prozent Wahrscheinlichkeit zutrifft, im Norden allerdings deutlich weniger. Besonders markant ist der Effekt, wenn es schon jetzt viel Sonne, wenig Regen und stabile Hochs gibt – so wie es 2025 der Fall ist.
Sommer 2025: Droht uns ein Hitzesommer mit gesundheitlichen Risiken?
Die aktuellen Wetterdaten lassen kaum Zweifel zu: Der Sommer 2025 könnte ein Extremjahr werden. Bereits Ende Juni steigen die Temperaturen häufig auf 25 bis 32 Grad, im Süden sogar wiederholt auf über 35 Grad. Regen bleibt Mangelware, höchstens lokale Gewitter sorgen für etwas Abkühlung. Solche Hitzemuster deuten auf eine anhaltende Trockenphase hin, die sich über weite Teile Deutschlands ausbreiten könnte. Besonders in Städten wird das zur Belastungsprobe: Hitzestress, Kreislaufprobleme, erhöhte Ozonwerte und eine deutlich höhere Sterblichkeit unter Risikogruppen sind mögliche Folgen. Wenn sich das aktuelle Muster durchzieht, könnte 2025 unter die Top 5 der heißesten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 fallen. Die Bauernregel scheint in diesem Jahr erstaunlich treffsicher zu sein – und das mit ernstzunehmenden Konsequenzen.
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