Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Brutale Hitze, düstere Prognosen – warum der Sommer 2025 alles sprengen könnte

  • VonDominik Jung
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Ein extremer Juni, glühender Julistart und kein Ende in Sicht – der Sommer 2025 zeigt, wie radikal sich unser Klima verändert. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Hamm – Der Sommer 2025 hat in Mitteleuropa mit einer Intensität begonnen, die kaum jemand in diesem Ausmaß erwartet hatte. Bereits die ersten Wochen im Juni zeigten Rekordtemperaturen in Spanien, Frankreich und Deutschland – mancherorts lagen die Tageshöchstwerte um 38 bis 39 Grad. In mehreren Regionen fielen sogar Allzeitrekorde, obwohl der Hochsommer offiziell erst am 21. Juni beginnt.

Besonders auffällig ist dabei nicht nur die Hitze an sich, sondern ihre Persistenz: Statt einzelner Spitzen erleben viele Orte anhaltend hohe Temperaturen, mit tropischen Nächten und nur sehr begrenzter Abkühlung. Auch der Juli ist mit einer massiven Hitzewelle gestartet, bei der das Thermometer stellenweise erstmals in diesem Jahr an der 40-Grad-Marke kratzte. Meteorologen sprechen bereits jetzt von einem „außergewöhnlich warmen Verlauf“ – und das bei einer insgesamt noch jungen Sommersaison. Die Frage, die sich daraus ergibt: Stehen wir erst am Anfang eines Sommers, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt?

Der Sommer 2025 strengt sich an ein ganz großer zu werden, trotz der zwei kühleren und nassen Tage zum Wochenstart.

Prognosen deuten auf Fortsetzung der Wetter-Extreme

Die aktuellsten Modelle führender Wetterdienste deuten auf keine rasche Entspannung hin. Vielmehr zeigen Langfristprognosen sowohl für den Juli als auch den August eine anhaltend hohe Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Temperaturen. In Deutschland liegt die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen zu warmen Sommer bei über 80 Prozent, europaweit geben einige Klimasimulationen sogar eine realistische Chance auf den heißesten Sommer seit 1881. Dabei sind es nicht nur die Tagesmaxima, die alarmieren, sondern vor allem die Dauer der Hitzeperioden.

Selbst nachts sinken die Temperaturen in vielen Städten kaum unter 23 Grad, was nicht nur gesundheitliche Risiken birgt, sondern auch Infrastrukturen belastet. Hitzewellen wie in der ersten Juliwoche, bei denen über mehrere Tage hinweg Werte zwischen 35 und knapp 40 Grad erreicht werden, könnten künftig keine Ausnahme mehr sein – sondern zur neuen Realität werden.

Von der Ausnahme zur neuen Normalität?

Ein Vergleich mit den Sommern der 1980er- und 1990er-Jahre zeigt deutlich, wie stark sich die thermische Skala verschoben hat. Damals galten Tage mit über 30 Grad als heiß, Spitzen um 35 Grad waren selten – heute sprechen Meteorologen erst ab 35 Grad von Hitzetagen. Die Grenze zum Extremen ist erkennbar nach oben gewandert. Dass jetzt Temperaturen um 38 oder sogar 40 Grad vorhergesagt und auch tatsächlich gemessen werden, hat eine neue Qualität.

Noch bleibt offen, ob 2025 tatsächlich als Rekordsommer endet. Doch die Indizien verdichten sich. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte dieser Sommer nicht nur klimatisch, sondern auch gesellschaftlich eine Zäsur markieren – als weiterer Beweis dafür, dass sich die Jahreszeiten verändern und dass das Klima Europas sich längst in einem neuen, extremeren Takt bewegt.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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