Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Hitze mit 30 Grad und mehr: Tropensturm bringt Europa nochmal Spätsommer-Wetter

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Hurrikan Erin könnte warme Tropenluft nach Europa pumpen – Deutschland erlebt vielleicht noch einmal Sommerhitze. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Wenn ein Hurrikan wie Erin über den Atlantik zieht, verändert er nicht nur das Wetter in der Karibik oder an der US-Ostküste, sondern kann auch Tausende Kilometer entfernt noch deutliche Auswirkungen haben. Während die Küstenregionen der Vereinigten Staaten in der Regel Sturmfluten, starken Regen und meterhohe Wellen fürchten müssen, passiert bei einem Kurs Richtung Nordatlantik etwas anderes: Der Wirbelsturm wandelt sich über kühleren Gewässern langsam um, verliert seine tropischen Eigenschaften und wird zu einem sogenannten außertropischen Tief.

Neuer Hitzeschub am nächsten Dienstag (26. August). In Deutschland können wieder 30 Grad und mehr erreicht werden.

Doch diese Entwicklung bedeutet keineswegs, dass er an Kraft oder Einfluss verliert. Im Gegenteil: Die großräumige Zirkulation zieht warme Luftmassen aus südlicheren Regionen mit, die dann Richtung Europa transportiert werden. Genau dieser Effekt könnte uns in der kommenden Woche noch einmal hochsommerliche Temperaturen bescheren.

Warum ein Hurrikan Hitze-Wetter in Deutschland zurückbringt

Auf der Vorderseite eines nach Nordosten ziehenden Ex-Hurrikans strömen oft sehr warme und feuchte Luftmassen weit nach Norden. Diese sogenannte Warmluftadvektion kann im Zusammenspiel mit Hochdruckgebieten über Mitteleuropa dafür sorgen, dass sich die Temperaturen sprunghaft erhöhen. In Deutschland würde sich das spürbar auswirken: Nach einem eher spätsommerlichen Witterungsabschnitt könnten die Werte erneut die 30-Grad-Marke überschreiten.

Besonders bemerkenswert daran ist, dass dies nicht aus eigener Kraft des Hurrikans geschieht, sondern durch das Wechselspiel zwischen tropischem Restwirbel und der europäischen Wetterlage. Während der Sturm selbst keine Bedrohung mehr für unsere Region darstellt, wird die von ihm angestoßene Luftströmung zu einem spürbaren Faktor. Somit wird ein tropischer Sturm indirekt zum Lieferanten für eine Hitzewelle – ein Phänomen, das gerade im September und Oktober immer wieder vorkommen kann.

Spätsommer mit Potenzial für Wetter-Überraschungen

Der mögliche Wärmeschub durch Erin zeigt, dass der Sommer 2025 noch längst nicht abgeschrieben ist. In den kommenden Wochen können weitere tropische Wirbelstürme auf dem Atlantik entstehen, die ähnliche Effekte haben. Auch wenn sie Europa nicht direkt als Hurrikan erreichen können, bleibt ihr Einfluss auf die Wetterlage bemerkenswert. Für Mitteleuropa bedeutet das, dass warme Schübe immer wieder möglich sind – teils begleitet von Gewittern oder Föhnlagen in den Alpen.

Ob es tatsächlich noch einmal zu einer längeren Hitzeperiode kommt oder ob nur einzelne Tage mit extremer Wärme auffallen, hängt von der genauen Zugbahn der Tropenstürme und der Position der Hoch- und Tiefdruckgebiete ab. Sicher ist nur: Der Übergang in den Herbst gestaltet sich alles andere als langweilig. Wetterinteressierte können also gespannt verfolgen, ob Erin oder ein späterer Atlantiksturm die nächste Überraschung liefert.

Rubriklistenbild: © Wetterdienst Q.met / www.wetterdata.de

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