Produkte aus dem Verkehr gezogen

Edeka und Netto starten dringenden Kartoffel-Rückruf – bei Verzehr drohen heftige Magen-Darm-Probleme

  • Kai Hartwig
    VonKai Hartwig
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Drei Kartoffel-Produkte mehrerer Supermarktketten – darunter Edeka und Netto – sind von einem Rückruf betroffen. Was Kunden wissen müssen.

München – Ein aktueller Rückruf umfasst drei Kartoffel-Produkte. Es handelt sich um Speisekartoffeln, die bei Edeka, Marktkauf und Netto verkauft wurden. Kürzlich mussten auch Rewe und Penny Kartoffeln zurückrufen.

Edeka, Marktkauf und Netto starten Rückruf von Kartoffeln – Pflanzenschutzmittel in drei Produkten festgestellt

Der Hersteller führte als Grund für den Rückruf auf, dass in den betroffenen Produkten der „Nachweis eines Pflanzenschutzmittels über dem gesetzlichen Rückstandshöchstgehalt“ erbracht wurde. Verbrauchern wird dringend empfohlen, den Verzehr der genannten Speisefrühkartoffeln zu vermeiden.

Diese beiden Edeka-Kartoffeln sind von einem Rückruf betroffen – wie auch ein weiteres Produkt.

Der Hersteller hat in einer Mitteilung darauf hingewiesen, dass „eine gesundheitliche Beeinträchtigung nicht vollständig ausgeschlossen werden“ kann. Folgende drei Produkte sind von dem Rückruf betroffen:

  • Edeka Ackergold Speisefrühkartoffeln, mehligkochend, Ursprung Ägypten, Sorte Lilly im 2-kg-Beutel
  • GUT&GÜNSTIG Speisefrühkartoffeln, vorwiegend festkochend, Ursprung Ägypten, Sorte Lilly im 2,5-kg-Beutel
  • Markttag Speisefrühkartoffeln, mehligkochend, Ursprung Ägypten, Sorte Lilly im 2,5-kg-Beutel

Kunden von Edeka, Netto oder Marktkauf erhalten auch ohne Kassenbon ihr Geld zurück

Kunden, die die betroffenen Kartoffeln bei Edeka, Netto oder Marktkauf gekauft haben, können diese ohne Probleme in den Filialen der Supermärkte oder Discounter zurückgeben. Der Kaufpreis wird ihnen laut Hersteller auch ohne Vorlage des Kassenbons erstattet.

Kartoffel-Rückruf bei Edeka, Netto und Marktkauf betrifft zahlreiche Bundesländer

Gleich mehrere Bundesländer sind nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) von dem Kartoffel-Rückruf betroffen:

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Berlin
  • Hamburg
  • Hessen
  • Niedersachsen
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Saarland
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt

Der Hersteller präzisiert in der Rückruf-Mitteilung: „Der Artikel ‚Edeka Ackergold Speisefrühkartoffeln mehligkochend‘ wurde hauptsächlich bei Edeka und Marktkauf in Bremen, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und den angrenzenden Teilen von Nordrhein-Westfalen sowie in Rheinland-Pfalz, dem südlichen Teil Hessens, dem Saarland, Baden-Württemberg und den angrenzenden Teilen Bayerns angeboten.“

Die „GUT&GÜNSTIG Speisefrühkartoffeln vorwiegend festkochend“ wurden demnach vor allem „bei Edeka und Marktkauf in Rheinland-Pfalz, dem südlichen Teil Hessens, dem Saarland, Baden-Württemberg und den daran angrenzenden Teilen Bayerns angeboten“. Kunden konnten „das Produkt ‚Markttag Speisefrühkartoffeln mehligkochend‘ fast bundesweit bei Netto Marken-Discount“ erwerben, „Ausnahmen sind Hamburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein“.

Listerien, Pferdefleisch, Olivenöl: Die zwölf größten Lebensmittelskandale in Deutschland

Symbolbild zum Thema Kontrolle, Qualität, Check, Test usw. von Grillfleisch und Bratwürsten, 6.3.2023
Der BSE-Skandal erschütterte in den 1990er Jahren die europäische Fleischindustrie. Die Übertragung der Rinderkrankheit BSE auf den Menschen (Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) führte zu einem massiven Vertrauensverlust. Ursache war die Verwendung von mit BSE-Erregern kontaminiertem Tiermehl in Futtermitteln. Der Skandal führte zu Massenschlachtungen, Einfuhrverboten. Fast-Food-Ketten nahmen sogar Burger mit Rindfleisch zeitweise aus dem Programm.
Hunderte in Röhrchen gefüllte Proben von möglicherweise an BSE erkrankten Rindern warten im Veterinärinstitut Oldenburg auf ihre Untersuchung (Foto vom 09.07.2008).
Gammelfleischskandal (2005): Dieser Skandal betraf den Verkauf von verdorbenem Fleisch, das teilweise mehrere Jahre abgelaufen war. Es wurde festgestellt, dass mehrere Unternehmen verdorbenes Fleisch wiederaufbereiteten und es als frisch vermarkteten.
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Kartoffeln enthalten Pflanzenschutzmittel: Diese Symptome können bei einer akuten Pestizidvergiftung auftreten

Laut BUND werden „viele unterschiedliche Stoffe und Stoffkombinationen“ als Pestizide bezeichnet. Diese werden „als ‚Pflanzenschutzmittel‘ oder Biozide eingesetzt“ und sind „giftig für Pflanzen, Insekten oder Pilze“.

Die Heinrich-Böll-Stiftung weist auf ihrer Website darauf hin, dass Menschen unmittelbar nach dem Kontakt mit Pestiziden Krankheitssymptome entwickeln können: „Man spricht medizinisch von einer akuten Pestizidvergiftung“. Betroffene „können sich schlapp, müde und abgeschlagen fühlen und wie bei einer Grippe an Kopf- und Gliederschmerzen leiden. Darüber hinaus wird häufig der Magen-Darm-Trakt angegriffen – die Folgen sind Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.“ Kürzlich musste auch ein Honig-Produkt wegen gesundheitlicher Bedenken bundesweit zurückgerufen werden.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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