Drastische Maßnahmen in Tirol

Wolf zum Abschuss frei – Raubtier soll sechs Schafe getötet haben

  • Martina Lippl
    VonMartina Lippl
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Der Wolf ist eigentlich streng geschützt. Ein Nachbarland geht jetzt rigoros gegen einen „Schadwolf“ vor. Es ist nicht der erste Fall.

Innsbruck – Das Thema Wolf heizt die Gemüter in Deutschland und auch im Nachbarland Österreich an. In der Alpenrepublik sind die Raubtiere ins Visier der Jäger geraten. Im österreichischen Tirol gelten seit vergangenem Jahr neue Regeln zum Abschuss von Wölfen. Jetzt gibt das Land erneut einen Wolf zum Abschuss frei.

Wolf für Schafriss verantwortlich gemacht – Tirol gibt Tier zum Abschuss frei

Im Bereich der Thurner Alm in Thurn (Osttirol) seien vor wenigen Tagen bei zwei Ereignissen sechs tote und ein verletztes Schaf aufgefunden worden, ein weiteres musste „notgetötet“ werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Landes. Nach Begutachtung durch den örtlich zuständigen Amtstierarzt bestehe der Verdacht auf die Beteiligung eines Wolfes. Deswegen habe die Tiroler Landesregierung umgehend eine „Abschussverordung für einen Schadwolf erlassen“. Die Jägerschaft sei bereits informiert, heißt es.

Die Abschussverordnung trat in der Nacht auf Dienstag (14. Mai) in Kraft. Sie gelte für die Dauer von acht Wochen in einem Umkreis von zehn Kilometern. Tierhaltern wird empfohlen, Schafe und Ziegen mit einem „wolfsabweisenden Zaun“ zu schützen oder in der Nacht in einem Stall unterzubringen.

Ein Wolf in Osttirol ist zum Abschuss freigegeben (Symbolfoto).

Jäger erlegen Wolf in Tirol innerhalb weniger Stunden

Zuletzt war im Mai eine Abschussverordnung für einen „Schadwolf“ in Außervillgraten erlassen worden. Innerhalb von wenigen Stunden war der Wolf abgeschossen worden. Das Tier hatte Anfang Mai in einem stallähnlichen Unterstand 15 Schafe gerissen und sieben verletzt.

„Wölfe sind keine gefährdete Tierart und gehören reguliert“, sagte der stellvertretende Landeshauptmann Josef Geisler (ÖVP) nach dem erfolgreichen Abschuss in einer Mitteilung. Geisler unterstreicht damit die Forderung des Landes Tirol an die EU, den Schutzstatus des Wolfes zu senken.

Diskussion um Abschuss von „Schadwölfen“

Im österreichischen Tirol ist eine Gesetzesnovelle seit dem 1. April 2023 in Kraft, die den Abschuss von streng geschützten Wölfen erleichtert. Die Tötung eines Wolfes ist mittels Verordnung und nicht mehr per Bescheid erlaubt. Zuvor legten Umweltschutzorganisationen oder Naturschützer oft erfolgreich Einspruch gegen diese Bescheide ein.

Die Hürde für einen Wolfs-Abschuss ist seit vergangenem Jahr niedrig. Wölfe müssen nicht identifiziert werden, die Abschussverordnung gilt für einen Wolf – und nicht für ein Individuum, berichtet der ORF. Diese Regelung sorge laufend für rechtliche und politische Diskussionen. In Tirol sind demnach bisher insgesamt fünf Wölfe nach Abschussverordnungen getötet worden. Auch in Deutschland soll sich 2024 der Umgang mit dem Wolf verschärfen.

„Wölfe sind vorsichtige Tiere“

„Wölfe sind vorsichtige Tiere, die direkte Begegnungen mit Menschen weitestgehend meiden. Einen Wolf in freier Natur zu sehen, wird auch in Tirol selten sein“, heißt es selbst auf der Webseite des Landes Tirol. Jedoch seien Begegnungen möglich, beispielsweise aus einem Fahrzeug heraus, wenn ein Wolf die Straße oder ein Feld quere. Direkte Begegnungen zu Fuß seien seltener.

Trotzdem ist der Wolf in Österreich sowie in Deutschland ein Thema, dass die Menschen umtreibt. In Niedersachsen wurde ein Bauer von einem riesigen, grauen Tier angefallen und verletzt. Unklar ist, ob es ein Schäferhund, ein Wolf oder ein Hybrid war. Seit Jahren häufen sich die Berichte von tödlichen Attacken auf Schafherden: Im Landkreis Osterholz tötete ein Wolf 25 Schafe – trotz Zaun. Es kommt zu immer mehr Sichtungen von Wölfen. (ml)

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

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