Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Hurrikansaison heftiger als erwartet – Gravierende Auswirkungen für Wetter in Europa

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Die US-Wetterbehörde warnt vor einer aktiven Hurrikansaison – und das betrifft nicht nur die USA. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Die kommende Hurrikansaison über dem Atlantik könnte deutlich heftiger ausfallen als gewöhnlich. Die US-Wetterbehörde prognostiziert eine deutlich überdurchschnittliche Aktivität mit bis zu 19 benannten Stürmen, davon bis zu 10 Hurrikane – und bis zu 5 davon könnten sich zu sogenannten Major-Hurrikanen mit Windgeschwindigkeiten von über 178 km/h entwickeln.

Bild des Hurrikans Milton vom NOAA-Satelliten GOES-16 am 8. Oktober 2024

Das klingt zunächst nach einem Problem für die USA, die Karibik oder Mittelamerika. Doch in Wahrheit betrifft es auch Europa – und insbesondere Deutschland. Denn was viele unterschätzen: Tropische Wirbelstürme lösen sich nicht einfach auf, wenn sie auf den Nordatlantik treffen. Sie wandeln sich um, verlieren ihren tropischen Charakter – und können dann als sogenannte Ex-Hurrikane zu gefährlichen Sturmtiefs mutieren, die auch auf unseren Kontinent treffen.

Hurrikan-Saison: Tropische Energie trifft auf europäische Wetterlagen

Die Gründe für die erwartete starke Saison liegen in einer ungewöhnlichen Kombination aus sehr warmem Atlantikwasser, günstiger Monsunzirkulation über Afrika und vergleichsweise schwacher Windscherung. Diese Faktoren begünstigen die Entstehung und das Wachstum tropischer Wirbelstürme. Doch die Gefahr endet nicht an Amerikas Küste. Wenn sich ein Hurrikan über dem kühleren Nordatlantik abschwächt, bleibt ein hochenergetisches Tiefdrucksystem übrig, das auf Europa zurasen kann.

Die alphabetische Liste der Namen für Atlantik-Hurrikane im Jahr 2025, ausgewählt von der Weltorganisation für Meteorologie.

In der Vergangenheit haben solche Ex-Hurrikane schon mehrfach für Chaos gesorgt – mit Orkanböen, Starkregen und Überschwemmungen. Meteorologisch betrachtet sind diese Systeme oft schwerer vorherzusagen als klassische europäische Tiefdruckgebiete, weil sie große Energiemengen und ungewöhnliche Dynamiken mitbringen. Ihre Bahnen können sich kurzfristig ändern, was die Wetter-Lage bei uns schnell kippen lässt.

Ex-Hurrikane: Die unterschätzte Gefahr für Deutschland

Auch wenn der Begriff Hurrikan bei uns nicht dieselbe Angst auslöst wie in Florida oder auf den Bahamas, ist Wachsamkeit geboten. Denn gerade in den Herbstmonaten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass umgewandelte tropische Stürme den Weg nach Europa finden. Dabei sind Windgeschwindigkeiten über 100 km/h, umgestürzte Bäume, Stromausfälle und massive Regenmengen keine Seltenheit.

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Besonders der Nordwesten Deutschlands, die Benelux-Länder und Teile Frankreichs liegen oft auf der Zugbahn solcher Systeme. Die Meteorologie warnt schon jetzt, dass die bevorstehende Saison für uns alle wettertechnisch brisant werden könnte. Wer also glaubt, Hurrikane seien ein rein amerikanisches Problem, wird spätestens im Herbst merken: Wenn die Reste dieser Stürme mit Orkanstärke über Mitteleuropa hinwegziehen, ist das Thema sehr nah – und sehr real. Auch das Wetter in der Arktis bricht derzeit Rekorde.

Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA

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