Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

US-Wettermodell schlägt deutsche und europäische Modelle – Hitze früh erkannt, Europa tappt im Dunkeln

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Die jüngste Hitzewelle zeigte erneut: Das Wettermodell GFS warnte frühzeitig – europäische Modelle hinken gefährlich hinterher. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Die extremen Temperaturen der letzten Wochen überraschten viele, doch nicht alle Wettermodelle lagen daneben. Das US-amerikanische GFS-Modell, betrieben von der Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA, sagte die Hitze erstaunlich früh und präzise voraus – ganze zehn Tage vor Ausbruch der Welle.

Währenddessen zeigten das deutsche ICON-Modell des DWD und das europäische ECMWF-Modell zu diesem Zeitpunkt noch moderate Temperaturen und keine Hinweise auf eine drohende Hitzewelle. Erst mit mehreren Tagen Verzögerung zogen die europäischen Modelle nach. Dieser Vorsprung des GFS ist kein Einzelfall: In den vergangenen Jahren fiel mehrfach auf, dass das US-Modell bei extremen Hitzelagen oft früher Alarm schlug als seine europäischen Pendants.

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Frühwarnung aus den USA: GFS trifft ins Schwarze – Europäische Modelle mit Defiziten bei Extremwetter?

Woran liegt es, dass gerade bei Hitzeereignissen das GFS-Modell regelmäßig einen Informationsvorsprung hat? Ein Grund könnte in der Modellarchitektur liegen: GFS wird alle sechs Stunden neu gerechnet und nutzt dabei sehr umfangreiche globale Eingangsdaten – auch aus Satelliten- und Flugzeugmessungen. ICON und ECMWF setzen dagegen auf eine andere physikalische Auflösung und Datenerfassung. Vor allem bei der Modellierung von Luftströmungen in der oberen Atmosphäre scheint GFS in bestimmten Lagen robuster zu sein.

Das bedeutet nicht, dass die europäischen Modelle grundsätzlich schlechter sind – im Gegenteil, bei vielen anderen Wetterphänomenen wie Niederschlag oder Wind schneiden sie oft sogar besser ab. Doch bei der frühen Erkennung großflächiger Hitze scheint das GFS einen wichtigen Vorteil zu haben – mit möglicherweise dramatischen Folgen, wenn Warnungen zu spät erfolgen.

Frühe Warnung rettet Leben – Nachholbedarf in Europa

Extreme Hitze ist mittlerweile die tödlichste Wettergefahr weltweit – noch vor Stürmen oder Überschwemmungen. Umso wichtiger ist es, frühzeitig und verlässlich vor solchen Wetterlagen zu warnen. Wenn europäische Modelle regelmäßig zu spät reagieren, entsteht ein gefährliches Informationsdefizit für Bevölkerung, Behörden und Gesundheitsdienste.

Der jüngste Fall sollte ein Weckruf sein: Europa braucht eine kritische Analyse seiner Wettermodelle, besonders in Bezug auf extreme Hitze. Vielleicht ist es an der Zeit, die Stärken verschiedener Modelle besser zu kombinieren oder das GFS stärker in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Denn in Zeiten des Klimawandels zählt bei Hitzewellen vor allem eins: jede Stunde.

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / Bihlmayerfotografie

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