Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Trotz Dauerregen-Wetter im Juli: Eine der größten Talsperren Deutschlands dramatisch leer
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Trotz vieler Regentage im Sommer bleibt der Wasserstand der Edertalsperre extrem niedrig. Experten orten mehrere Gründe. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Der Juli 2025 wurde in vielen Regionen Deutschlands als überdurchschnittlich nass wahrgenommen. Häufige Schauer, teils heftige Gewitter und einige Starkregenereignisse ließen den Eindruck entstehen, die Wasserreservoirs müssten nun gut gefüllt sein. Doch der Blick auf den aktuellen Stand der Edertalsperre überrascht: Am 11. August 2025 beträgt der Füllstand lediglich 19 Prozent. Damit steht einer der größten Stauseen Deutschlands ungewöhnlich leer da – und das mitten im Sommer. Der entscheidende Punkt: Niederschläge und Speicherfüllung stehen nicht in direktem, linearem Zusammenhang.
Ein wichtiger Faktor ist die Verteilung des Regens im Einzugsgebiet. Die derzeit gesperrte Edertalsperre speist sich vor allem aus Zuflüssen der Eder und kleinerer Nebenflüsse. Fällt der Regen jedoch in Regionen außerhalb dieses Einzugsgebietes oder in Form kurzer, heftiger Schauer, versickert oder verdunstet ein Großteil, bevor er die Talsperre erreicht.
Erdtalsperre trotz Regen kaum gefüllt: Weitere Belastungsfaktoren für den Wasserstand
Zudem waren die Böden nach den trockenen Jahren zuvor stark ausgetrocknet und konnten enorme Mengen Wasser aufnehmen. Das führt dazu, dass selbst überdurchschnittliche Regenmengen zunächst den Boden auffüllen, das Grundwasser anheben und erst verzögert zu höheren Zuflüssen in den Stausee führen. Auch die hohe Vegetationsaktivität im Sommer spielt eine Rolle: Pflanzen entziehen dem Boden laufend Wasser, was den Abfluss weiter reduziert.
Neben den natürlichen Verzögerungen gibt es technische und wirtschaftliche Gründe für den niedrigen Stand. Die Edertalsperre erfüllt mehrere Aufgaben: Hochwasserschutz, Wasserversorgung für die Oberweser und Energiegewinnung. In Trockenphasen wird gezielt Wasser für die Schifffahrt und die Kühlung von Kraftwerken abgegeben. Wenn diese Abgaben im Frühjahr und Frühsommer hoch waren, kann der Pegel selbst bei nassem Wetter im Sommer nicht schnell wieder steigen. Hinzu kommt, dass einige Zuflüsse in den letzten Jahren durch klimabedingte Veränderungen, wie weniger Schneeschmelze im Frühjahr und längere Trockenphasen im Frühling, insgesamt weniger Wasser liefern.
Somit spiegelt der aktuelle Füllstand nicht nur die Wetterlage der letzten Wochen wider, sondern ist das Ergebnis eines langfristigen Wasserhaushalts, in dem vergangene Trockenjahre und steigende Nutzungsansprüche eine große Rolle spielen.
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Uwe Zucchi
