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Lift-Neubau an unbebautem Alpen-Gletscher – DAV-Präsident tobt: „Muss ein Ende haben“
VonNadja Orthschließen
In Österreich sorgen Pläne zur Erweiterung eines Skigebiets in einem Gletscherareal für Aufruhr. Mehrere Naturverbände schlagen Alarm.
Innsbruck – In Österreich laufen offenbar Pläne für die Erschließung eines Gletscherareals im österreichischen Kaunertal, um neue Skipisten einzurichten sowie Liftanlagen zu bauen. Dagegen wollen sich mehrere Naturschutzverbände wehren. Sie beantragten bei der Tiroler Landesregierung die Ausweitung des Ruhegebiets „Ötztaler Alpen“.
Damit wollen die Naturschützer den Schutz der „größten zusammenhängenden Gletscherfläche Österreichs rund um die Weißseespitze und den oberen Bereich des Gepatschferners“ gewährleisten, wie es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des WWF Österreich, des Österreichischen und Deutschen Alpenvereins und der Naturfreunde am Donnerstag hieß. Erst zuletzt warnten Experten, dass Österreichs Gletscher in ungeahntem Tempo schwinden.
Österreichische Naturverbände wollen gegen Liftneubau an Alpen-Gletscher kämpfen
Die Verbände wollen damit verhindern, dass das Skigebiet Kaunertaler Gletscher auf Bereiche des Gepatschferners erweitert wird. „Der Erschließungswahnsinn muss ein Ende haben“, forderte DAV-Präsident Roland Stierle. Dem Schutz der Gletscher müsse jetzt Priorität eingeräumt werden: „Noch bieten die Alpen wunderbare Naturlandschaften. Wir kämpfen dafür, dass das so bleibt.“ Der Gepatschferner ist nach der Pasterze der zweitgrößte Gletscher der österreichischen Alpen.
Die etwa 3,3 Quadratkilometer große Fläche östlich der 3.518 Meter hohen Weißseespitze mitsamt der höchsten Gletscherflächen des Gepatschferners im hinteren Kaunertal sei nach wie vor nicht unter Schutz gestellt, kritisierten die Verbände. Nach ihren Angaben planen die Skigebietsbetreiber, eine Bergstation und Gondel zu bauen und damit das Gletscherskigebiet bis kurz unterhalb der Weißseespitze zu erweitern. Zudem seien zwei Liftanlagen und 13 Hektar neue Pisten vorgesehen.
Neue Skipisten an Gepatschferner und Weißseespitze? Vorhaben soll geprüft werden
Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, dürfte eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das Vorhaben notwendig sein. Bis Februar solle eine Entscheidung fallen. WWF-Programmleiterin Hanna Simons betonte unterdessen: „Diese großen zusammenhängenden Ökosysteme sind für die teils bedrohten Tier- und Pflanzenarten insbesondere in Zeiten der Klima- und Biodiversitätskrise von großer Bedeutung – und werden in Zukunft noch bedeutender sein.“
Die Verbände kritisieren außerdem, dass die Region ein international bedeutsames Gebiet für (Ski-)Hochtouren und sei somit einen naturverträglichen Tourismus fördere. Mit einem Ausbau des Skigebiets ginge diese Attraktivität verloren. (nz mit dpa-Material)
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