Politisch motiviert
„Sie haben es verdient“ – Trump startet Vergeltung gegen Harvard
VonLaura Mayschließen
Trump hat vor, Harvard die finanzielle Unterstützung zu entziehen. Antisemitismus in den Solidaritätsbekundungen mit Gaza ist laut dem US-Präsidenten nicht das einzige Problem.
Update vom 3. Mai: Harvard-Präsident Alan Garber hat sich zu Trumps Plänen geäußert, der Eliteuniversität Steuerbefreiungen zu streichen. Ein Entzug sei „in höchstem Maße illegal, es sei denn, es gibt eine Begründung, die uns nicht bekannt ist und die diesen dramatischen Schritt rechtfertigt“, sagte Garber dem US-Portal Newsweek.
Der steuerbefreite Status sei dafür gedacht, dass Hochschulen erfolgreich ihren Auftrag der Lehre und Forschung erfüllen könnten. „Das wäre offensichtlich drastisch eingeschränkt, wenn wir den steuerbefreiten Status verlieren würden“, führte Garber weiter aus. „Es wäre vernichtend für Harvard, aber auch die Botschaft für die Bildungsgemeinschaft wäre eine fatale“, warnt der Harvard-Präsident. Denn das suggeriere, dass auf Basis politischer Unstimmigkeiten Bildungseinrichtungen existenziell bedroht werden könnten.
Trump will Harvard im Streit wichtigen Steuer-Status entziehen
Erstmeldung vom 3. Mai: Washington, D.C. – Seit Wochen liegt der US-Präsident mit der ältesten Universität des Landes im Streit. Am 11. April schickte die Verwaltung Harvard einen fünfseitigen Brief, in dem sie eine vollständige Überarbeitung der Universitätsverwaltung, der Einstellungspraktiken, der Zulassungen, der Lehre und der Forschungsprogramme forderte.
Jetzt scheint Donald Trump ernst zu machen und kündigt an, der Elite-Universität endgültig ihre finanziellen Entlastungen zu streichen. „Wir werden Harvard die Steuerbefreiung entziehen“, schrieb Präsident Donald Trump am frühen Freitag in einem Beitrag auf seiner Online-Plattform Truth Social. „Das haben sie verdient!“
Harvard lehnt Forderungen ab – Trump streicht 2,2 Milliarden US-Dollar
Harvard müsse eine von der US-Regierung anerkannte externe Stelle beauftragen, die die Meinungsvielfalt der Studierenden und Lehrkräfte „prüft“. Jede Abteilung oder jedes Fachgebiet, dem das erforderliche Maß an „Vielfalt“ fehle, müsse entweder neue Lehrkräfte einstellen oder ganz abgeschafft werden. Harvard lehnte die Forderungen weniger als 72 Stunden später ab, Trump fror als Antwort am 15. April 2,2 Milliarden US-Dollar Fördermittel ein.
Die US-Verwaltung erklärte, die Änderungen seien notwendig, um den Antisemitismus auf dem Campus zu bekämpfen. Die Anforderungen des Regierungsschreibens sind laut Daily Beast jedoch so belastend, dass selbst die konservative Redaktion des Wall Street Journals den Schritt als „beispiellos“ verurteilte und sagte, Trumps Forderungen „überschreiten seine verfassungsmäßigen Befugnisse“.
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In Harvard herrsche zwei internen Berichten zufolge ein antisemitisches und ein antimuslimisches Klima. Die beiden Berichte wurden laut AFP am Dienstag (29. April) von der Hochschule im US-Ostküstenstaat Massachusetts veröffentlicht, sie umfassen mehrere hundert Seiten und basieren insbesondere auf Fragebögen und Aussagen von Studenten und Mitarbeitern. Donald Trump wirft Harvard und anderen US-Universitäten unter anderem vor, pro-palästinensische Proteste gegen den Gaza-Krieg nicht unterbunden zu haben.
Trump gegen Harvard – „Antisemitismus und antimuslimische Positionen“
Der Bericht einer Arbeitsgruppe zu Antisemitismus und antiisraelischen Positionen kam zu dem Schluss, dass beides „nicht nur in Harvard, sondern auch in der gesamten akademischen Welt geschürt, praktiziert und toleriert“ worden sei. Die Universität wird in dem Bericht aufgefordert, „eine führende Rolle im Kampf gegen Antisemitismus und antiisraelische Positionen zu übernehmen“.
Eine weitere Arbeitsgruppe, die sich mit antimuslimischen, antiarabischen und antipalästinensischen Positionen befasste, kam zu dem Schluss, dass unter Studenten, Lehrkräften und Mitarbeitern ein „tief verwurzeltes Gefühl der Angst“ herrsche. Die Befragten beschrieben „ein Gefühl der Unsicherheit, Verlassenheit, Bedrohung und Isolation sowie ein allgegenwärtiges Klima der Intoleranz“.
Harvard-Präsident Alan Garber erklärte zu den beiden Berichten, dass die Universität Intoleranz nicht tolerieren könne und werde. Er werde die Umsetzung der in den Berichten genannten Empfehlungen überwachen. (lm/afp)
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