Wann geht es los?
Merz zielt auf niedrigere Energiepreise: Wie viel Haushalte bald bei Strom und Gas einsparen
VonAmy Walkerschließen
Die neu zusammengesetzte Koalition hat eine Übereinkunft getroffen. Merz plant, sein Versprechen zur Absenkung der Energiepreise so zügig wie möglich umzusetzen. Es sind bereits konkrete Zahlen im Gespräch.
Berlin – Habemus Bundesregierung: Am Mittwoch (9. April) haben sich die Spitzen von Union und SPD auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Die zentrale Botschaft lautet: Deutschland ist zurück. Bald-Kanzler Friedrich Merz (CDU) muss sich nun den enormen Herausforderungen der Weltlage stellen – und ganz nebenbei die Wirtschaft aus der Rezession holen. Ein zentraler Weg für mehr Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft soll die Senkung der Energiepreise sein. Dazu gibt es im Koalitionsvertrag neue Details. Auch private Haushalte werden spürbar entlastet.
Gasspeicherumlage wird abgeschafft und Stromsteuer abgesenkt: Das ist der Merz-Plan
„Unser Ziel sind dauerhaft niedrige und planbare, international wettbewerbsfähige Energiekosten“, schreiben CDU, CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag. Dazu will die Koalition die Gasspeicherumlage abschaffen, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß absenken und die Netzentgelte spürbar absenken. Diese Abgaben werden aktuell von allen Energieverbrauchern geleistet, deren Abschaffung und Absenkung entlastet also alle, von Privatpersonen über mittelständische Betriebe bis hin zu energieintensiven Unternehmen.
Wie viel Geld private Haushalte durch diese Maßnahmen sparen werden, hat das Vergleichsportal Verivox berechnet. Eine Senkung des Strompreises um fünf Cent/kWh netto würde eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh um 238 Euro (brutto) entlasten. Ein Paar-Haushalt mit einem Verbrauch von 2.800 kWh könnte mit einer Entlastung von 167 Euro rechnen, ein Single-Haushalt (1.500 kWh) mit 89 Euro. Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte würde um rund 17 Prozent sinken.
Damit würden die Strompreise ungefähr wieder auf das Vorkrisenniveau von 2021 sinken.
Gaspreise sollen auch runter: Haushalte werden „spürbar“ entlastet
Auch die Abschaffung der Gasspeicherumlage wird Verbraucher entlasten, allerdings weniger spürbar. Die Gasspeicherumlage beträgt derzeit 0,299 Cent/kWh. Fällt sie weg, zahlt eine Familie in einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh rund 71 Euro (brutto) weniger, so Verivox. Das entspricht einer Kostensenkung von etwa drei Prozent. Wer in einer 100 Quadratmeter großen Wohnung mit einem Jahresverbrauch von 12.000 kWh lebt, kann mit einer Entlastung von 43 Euro rechnen, ein Single-Haushalt mit einem Verbrauch von 5.000 kWh zahlt 18 Euro weniger.
Wen holt Friedrich Merz in sein Kabinett? Diese Minister stehen bereit




Trotzdem lobt das Verbrauchsportal die Vorschläge. „Die geplanten Maßnahmen werden die Menschen bei den Energiekosten spürbar entlasten“, so Energieexperte Thorsten Storck. „Unmittelbar nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine waren die Strom- und Gaspreise zwar noch höher. Das Preisniveau ist aber nach wie vor hoch und belastet vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen.“
Ab wann werden die Energiepreise sinken? Merz will „sofort“ loslegen
Die Frage, die viele Menschen jetzt noch haben: Ab wann können wir die Energiepreissenkung erwarten? Dazu gibt es im Koalitionsvertrag keine eindeutige Antwort, es ist aber von einem „Sofortprogramm“ die Rede, weiter im Text schreiben die Koalitionäre „so schnell wie möglich“. Vor der Wahl hatte die Union mit diesen Maßnahmen geworben, sie sollten „noch 2025“ umgesetzt werden. Die Umsetzung dürfte zu den ersten Maßnahmen gehören, die die neue Bundesregierung im Amt dann in Angriff nimmt.
Bis es so weit ist, muss die neue Bundesregierung im Amt bestätigt und der Kanzler gewählt werden. Das soll am 7. Mai passieren. Davor werden die Namen der neuen Minister bekannt. Als Wirtschaftsminister wird Medienberichten zufolge der bisherige Generalsekretär und Merz-Vertrauter Cartsen Linnemann (CDU) gehandelt.
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