Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Krise auf 6000 Kilometern: Größte Wetter-Blase seit Jahren legt halb Europa lahm
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Eine riesige Zone ohne nennenswerte Niederschläge zieht sich über 6000 Kilometer – mit dramatischen Folgen für Wetter, Natur und Landwirtschaft. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Wer derzeit auf die Wetterkarte schaut, dem bietet sich ein seltenes Bild: Eine riesige Zone ohne nennenswerte Niederschläge – größer als viele Länder zusammen. Vom Atlantik westlich Irlands über Frankreich, Deutschland, Österreich, Italien und den Balkan bis hinunter nach Saudi-Arabien, Israel und dem Iran – auf der aktuellen Karte zur Gesamtniederschlagsmenge bleibt dieser ganze Korridor nahezu regenfrei.
Diese Zone ist nicht nur meteorologisch interessant, sie ist außergewöhnlich groß: Über 6000 Kilometer lang und mehrere Hundert Kilometer breit – ein zusammenhängendes Hochdruckgebiet, das über Tage jegliche Schauer und Fronten blockiert. In dieser Fläche leben hunderte Millionen Menschen. Städte, Felder und Wälder warten vergeblich auf Regen. Besonders brisant: Auch traditionell regenreiche Regionen wie England, der Schwarzwald oder Norditalien sind fast komplett im Trockenen.
Ein Wetterriese zwischen Regenmeeren
Im Kontrast zur trockenen Mitte des Kontinents türmen sich an den Rändern mächtige Niederschlagsmassen: Im Westen liefern atlantische Tiefs enorme Regenmengen über dem Ozean ab – über 150 mm in kurzer Zeit. Im Süden entlädt sich die feuchte Tropenluft über Nigeria, Kamerun, Indien und Bangladesch. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Während dort Überschwemmungen drohen, flimmert Europas Mitte im Staub.
Das Besondere an dieser Trockenblase ist nicht nur ihre Existenz – solche Hochdruckbrücken sind im Sommer nicht selten – sondern ihre Ausdauer und geografische Ausdehnung. Normalerweise lösen sich solche Lagen durch wandernde Tiefs irgendwann auf. Doch in diesem Fall scheint das stabile Hochdruckfeld wie festgenagelt – ein Paradebeispiel für eine blockierende Wetterlage, die durch Jetstream-Wellen gestützt wird.
Was eine Zone dieser Größe bedeutet
Eine derart große Niederschlagslücke ist mehr als nur ein meteorologisches Kuriosum. Für Land- und Forstwirtschaft bedeutet sie eine enorme Belastung. Ohne Regen kein Wachstum – stattdessen steigt der Stress für Pflanzen, Tiere und Böden. Erste Dürreanzeigen sind bereits messbar: Sinkende Pegelstände, trockene Oberböden, erhöhte Waldbrandgefahr.
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Auch in der Stadt macht sich die Lage bemerkbar: Hitze staut sich, die Luftqualität sinkt, die Energiebelastung steigt. Besonders besorgniserregend ist, dass solche großflächigen Trockenzonen in den letzten Jahren häufiger aufgetreten sind – möglicherweise ein Signal der Klimaerwärmung. Die riesige Trockenblase über Europa ist damit mehr als nur ein Sommerphänomen: Sie ist ein Symptom für ein gestörtes Gleichgewicht in der Atmosphäre. Noch in diesen Tagen macht sich die Hitze bereits in Deutschland breit.
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