Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Mittelmeer fünf Grad zu warm: „Explosives Potenzial“ mit drastischen Auswirkungen auf das Wetter
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Die Temperatur des Mittelmeers hat bereits Hochsommer-Werte erreicht. Experten sind besorgt, denn das hat auch Folgen für das Wetter in Europa. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
München – Das Mittelmeer ist bereits Mitte Juni stellenweise so warm wie sonst erst im Hochsommer – und das mit Rekordwerten. Rund um die Balearen messen Wetterdienste bis zu 27 Grad Wassertemperatur, dabei wären 22 bis 23 Grad für diese Jahreszeit normal. Das Wasser ist derzeit an vielen Stellen 4 bis 5 Grad zu warm – so früh im Jahr ein noch nie gemessener Wert.
„Ein Wärmespeicher mit explosivem Potenzial“ – Extreme Wassertemperaturen fördern Hitzewellen
Wetterexperte Johannes Graf von wetter.net spricht von einem „Wärmespeicher mit explosivem Potenzial“ und warnt: „Das ist kein harmloses Naturphänomen, sondern ein deutliches Zeichen der Klimaerwärmung – mit Auswirkungen auf ganz Europa.“ Denn warmes Meerwasser gibt große Mengen Energie und Feuchtigkeit an die Atmosphäre ab – ideale Bedingungen für Hitzewellen, Starkregen und instabile Wetterlagen. Und je wärmer das Wasser, desto stärker die Auswirkungen.
Heiße Ozeane, heißes Festland: Wie das Mittelmeer das Wetter in Europa beeinflusst
Derart hohe Wassertemperaturen im Mittelmeer fördern die Entstehung blockierender Hochdruckgebiete, die sich über Südeuropa aufbauen und stabil bleiben können. Diese sogenannten „Hitzedom“-Lagen sorgen dafür, dass warme Luftmassen über längere Zeit fest über einer Region liegen bleiben – mit tagelangen Hitzewellen als Folge. Zusätzlich erhöht das warme Wasser die Verdunstung deutlich: Die Luft wird schwüler, die Nächte tropischer, die Belastung für Menschen, Tiere und Natur steigt. Auch die Gefahr schwerer Gewitter und Starkregenfälle nimmt zu.
Meteorologen sehen durch die Kombination aus Rekordtemperaturen im Mittelmeer und stabilen Hochs eine frühe und gefährliche Hitzesaison auf Südeuropa zukommen. Länder wie Spanien, Italien, Frankreich, aber auch Griechenland könnten in den kommenden Wochen unter massiven Wetterextremen leiden – angetrieben durch ein viel zu warmes Meer.
Zu hohe Wassertemperaturen sorgen für Hitzeschub nach Norden – auch Deutschland könnte betroffen sein
Die Wärmeenergie aus dem Mittelmeer bleibt jedoch nicht auf Südeuropa beschränkt. Wenn sich Hochdruckgebiete über dem Mittelmeer festsetzen, wird zunehmend heiße Luft nach Norden transportiert – über die Alpen bis nach Mitteleuropa. Das Risiko für Hitzewellen in Deutschland steigt dadurch ebenfalls. Erste Langfristmodelle zeigen schon mögliche Hitzetage mit über 35 Grad Ende Juni und Anfang Juli.
Auch wenn Meerestemperaturen allein nicht die Hitze bei uns verursachen, liefern sie die nötige Energie, um Hitzeextreme zu verstärken und zu verlängern. Das bedeutet: längere Hitzeperioden, weniger Abkühlung in den Nächten und insgesamt höhere thermische Belastung – auch hierzulande. Die aktuelle Entwicklung im Mittelmeer ist daher ein Warnsignal für ganz Europa. Experten fordern: Diese extremen Anzeichen dürfen nicht ignoriert werden.
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