Nisten „massenhaft“
„Echte Invasion“: Plage wütet in Italien – Bauern immer verzweifelter
VonMartina Lipplschließen
Der fruchtbare Acker in Italien rund um Verona lockt seit einiger Zeit Vögel an. Landwirte fürchten um ihr Land und ihre Ernte.
Frankfurt – Den alten Ägyptern war der Vogel heilig, für Landwirte in Italien wird er zunehmend zu einem Problem: der Heilige Ibis. Mit seinem gebogenen Schnabel und weißen Federkleid ist die Vogelart auf den Feldern in der Poebene bei Verona in Italien zu sehen. In den sozialen Netzwerken sind Fotos von dutzenden Tieren auf Feldern der Gegend zu finden. Der italienische Bauernverband fordert jetzt Jagd auf die Ibisse zu machen.
„Das ist eine echte Invasion“ – Heiliger Ibis entwickelt sich zur Plage in Italien
„Das ist eine echte Invasion“, sagt Vanni Stoppato im Corriere del Veneto. „Sie kommen aus Nordafrika, da das Klima bei uns jetzt sogar im Winter milder ist“, behauptet Stoppato, der seit 70 Jahren Landwirt in Gazzo Veronese ist. Für den Vorsitzenden des Bauernverbands haben die Heiligen Ibisse einen viel zu großen Appetit. Die Tiere würden drei bis vier Kilo wiegen.
„Sie fressen Frösche, Eidechsen – tatsächlich gibt es keine mehr – sowie Enten und Fasaneneier. Sie graben sich mit ihren Schnäbeln in den Boden und ziehen Regenwürmer heraus, wodurch dieser geschwächt wird.“
Die Vögel würden die gesamte Umwelt verändern und verwüsten, so Stoppato laut Adige.. „Und wir dürfen sie nicht erschießen.“ Anders als bei den Nutrias (Biberratten), die schon einen erheblichen Schaden verursacht haben. Der Bauernverband schlägt vor, das Problem selbst in die Hand zu nehmen.
Bauern wollen Vogelart selber jagen
„Wir Landwirte, die wir schon immer die Hüter der Umwelt waren, mehr als die Grünen und mehr als die Jäger, sind diejenigen, die sich verteidigen müssen und die Erlaubnis erhalten müssen, sowohl Ibisse als auch Nutrias zu schießen“, fordert Stoppato.
Heilige Ibisse nisten „massenhaft“ in Norditalien
Der Heilige Ibis, auch als Pharaonenibis bekannt, breitet sich auch in anderen Regionen Italiens besonders in der Po-Ebene rasant aus. „Das Phänomen ist in der gesamten Emilia-Romagna weit verbreitet. Der Heilige Ibis hat begonnen, in Bologna, Modena und insbesondere Ferrara, aber auch im Rest der Region massenhaft zu nisten“, so Andrea Ravagnani von der Ornithologenvereinigung AsOER der Emilia-Romagna in einem Bericht der italienischen Zeitung La Repubblica.
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„Der Heilige Ibis ist eine gebietsfremde Art, die es in Italien nicht geben dürfte“, sagte Ravagnani. Vermutlich sei er von Bauernhöfen in Norditalien entkommen oder wurde dort freigelassen. „Seine Geschichte ähnelt der Nutria: eine gebietsfremde Art, die es vorher nicht gab und die heute durch den Menschen vorhanden ist. Und wie die Nutria ist er extrem anpassungsfähig und vermehrt sich massenhaft.“
Eine im Fachmagazin Nature Scientific Reports erschienene Studie geht davon aus, dass die Vogelart 1989 mit einem einzigen Paar im Nordwesten Italiens zu brüten begann – und 20 Jahre später auf mehr als 10.000 Individuen gewachsen ist.
Heiliger Ibis hat nachweislich negative Auswirkungen auf heimische Umwelt
Der Ibis war in Ägypten weit verbreitet und starb 1850 aus. In Europa konnte der Vogel in vielen Parks und Zoos gezüchtet werden und brachen dort wohl aus Gefangenschaft aus oder wurden freigelassen. Seit den 1970er Jahren sind Brutnachweise in der freien Wildbahn in Spanien, Portugal und Deutschland und den Niederlanden bekannt.
Ibisse stehen auf der EU-Liste invasiver Tier- und Pflanzenarten, teilt auch die NABU mit. Allein in Deutschland seien 168 Tier- und Pflanzenarten bekannt, die nachweislich negative Auswirkungen haben oder haben können. Der Threskiornis aethiopicus – Heiliger Ibis – wurde 2016 aufgenommen und kommt unbeständig vor.
In Deutschland breitet sich derweil eine invasive Käferart immer weiter aus. (ml)
