Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Lebensgefahr durch extreme Unwetter: Mittelmeer-Phänomen treibt Gefahr nun auch nach Deutschland
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Das warme Mittelmeer liefert Feuchtigkeit für gefährliche Unwetter – die Katastrophenlage in Südeuropa ist nur der Anfang. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Südlich der Alpen spitzt sich die Wetter-Lage dramatisch zu. Gewaltige Regenmengen haben in Norditalien, im Tessin und im Süden der Schweiz bereits für Überschwemmungen, Erdrutsche und großflächige Schäden gesorgt. Der Grund liegt im außergewöhnlich warmen Mittelmeer: Mit rund 30 Grad ist das Wasser derzeit so warm wie in einem tropischen Meer. Das bedeutet eine enorme Verdunstung, die feuchte Luftmassen in die Atmosphäre pumpt.
Treffen diese auf kühle Luft aus dem Norden, entstehen explosive Wetterlagen mit Starkregen und schweren Gewittern. Anders als bei gewöhnlichen Sommergewittern fällt durch die zusätzliche Feuchtigkeit ein Vielfaches an Niederschlag – mit katastrophalen Folgen.
Mittelmeer als Wetter-Treibhaus, Klimawandel als Brandbeschleuniger
Dass das Mittelmeer inzwischen regelrecht überhitzt, ist kein Zufall. Steigende Temperaturen durch den Klimawandel sorgen dafür, dass sich die Meere schneller erwärmen und länger warm bleiben. Dadurch verschiebt sich das Risiko schwerer Unwetter immer weiter in den Spätsommer und Herbst. Die aktuelle Situation ist daher mehr als nur eine kurzfristige Wetterlaune: Sie ist ein direktes Symptom einer sich verändernden Klimarealität.
Experten beobachten seit Jahren, dass gerade die Region rund ums Mittelmeer zunehmend zur Brutkammer für gefährliche Wetterextreme wird. Die Folgen sind nicht nur für Italien, die Schweiz oder Südfrankreich bedrohlich – auch weiter nördlich, bis nach Deutschland, können die feuchten Luftmassen gelangen und hier Stark- und Dauerregen auslösen.
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Höchste Unwettergefahr in den kommenden Wochen
Für die nächsten Stunden gilt in weiten Teilen Norditaliens, besonders im Piemont und im Tessin, höchste Warnstufe. Flüsse können über die Ufer treten, Straßen und Orte unpassierbar werden, Hangrutsche bedrohen ganze Gemeinden. Doch das ist nur der Auftakt: In den kommenden Wochen könnten weitere Wellen von Unwettern folgen, da das Mittelmeer weiterhin viel zu warm bleibt. Jede neue Störung, die aus Westen oder Norden hereinzieht, kann enorme Regenmengen freisetzen. Für die betroffenen Regionen bedeutet das eine anhaltende Gefahr – für Infrastruktur, Wirtschaft und vor allem für Menschenleben.
Wer in diesen Gebieten lebt oder reist, muss mit plötzlichen Extremereignissen rechnen und sollte die Wetterwarnungen ernst nehmen. Die Kombination aus warmem Meer, klimabedingter Atmosphäre und zunehmender Feuchtigkeit ist ein explosiver Cocktail, der Europa in diesem Spätsommer und Herbst noch häufig treffen dürfte.
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