Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Markante Wetter-Delle bringt uns furioses Sommer-Comeback: Zwei Tage besonders im Fokus

  • VonDominik Jung
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Erst Sturm und Regen, dann Sommerhitze: Eine Jetstream-Delle macht den Weg für warme Luft aus Südwesteuropa frei. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Die gesamte Wetterwoche in Deutschland lässt sich nur mit einem Blick auf den Jetstream verstehen. Dieses Starkwindband in etwa zehn Kilometern Höhe bestimmt, ob Tiefdruckgebiete oder Hochdruckzonen die Kontrolle übernehmen.

Gut auf dieser Wetterkarte zu sehen: die „Jetstream-Delle“ am Donnerstag (18. September) genau über Deutschland.

Zu Wochenbeginn verläuft der Jetstream genau über Mitteleuropa. Er lenkt atlantische Tiefdruckgebiete auf direkter Linie zu uns und sorgt damit für stürmisches Wetter, kräftige Böen und zeitweise ergiebigen Regen. Besonders im Norden fegt der Wind mit voller Wucht, an der Nordsee sind sogar orkanartige Böen möglich. Solche Lagen wirken herbstlich, sind für September zwar nicht untypisch, aber in ihrer Heftigkeit durchaus bemerkenswert.

Wetter in Deutschland: Die Delle nach Norden und ihre Folgen

Ab Donnerstag (18. September) zeigt sich ein völlig anderes Bild: Der Jetstream beginnt sich nach Norden aufzuwölben. Meteorologen sprechen hier von einer Delle oder Wellenbewegung im Starkwindband. Diese Aufwölbung öffnet zwischen Frankreich, Spanien und Mitteleuropa einen regelrechten Korridor, durch den warme Luftmassen ungehindert nach Deutschland strömen können.

In etwa 1500 Metern Höhe, also in der sogenannten 850-hPa-Schicht, steigen die Temperaturen dann auf bis zu 20 Grad an. Würde ein solcher Wert im Hochsommer gemessen, wären am Erdboden leicht 35 bis 38 Grad möglich. Ende September erreicht die Sonne diese Intensität nicht mehr, doch für Spitzenwerte zwischen 25 und 31 Grad reicht es problemlos. Besonders im Süden und Südwesten sind damit hochsommerliche Tage sicher.

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Ein spätsommerliches Highlight mit Seltenheitswert

Dass der Jetstream eine derartige Delle genau zum kalendarischen Herbstanfang ausbildet, ist nicht alltäglich. Zwar sind späte Sommerphasen in den letzten Jahren häufiger aufgetreten, doch die Ursache liegt meist in einer sehr markanten Südwestströmung, die warme Luft weit nach Norden transportiert. Genau das passiert nun: Auf ein herbstlich-stürmisches Intermezzo folgt ein fast schon hochsommerliches Wochenende.

Für Meteorologen ist das ein Paradebeispiel, wie sensibel unser Wetter auf kleinste Veränderungen im Jetstream reagiert. Für die Menschen in Deutschland bedeutet es den vielleicht letzten Gruß des Sommers, der noch einmal mit Temperaturen weit über 25 Grad begeistert. Abhängig von regionalen Föhneffekten sind lokal sogar Spitzen bis 31 Grad drin. Es ist die Jetstream-Delle, die dieses außergewöhnliche Spätsommer-Comeback möglich macht.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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