Besorgniserregende Ergebnisse

„Beispiellose Temperaturen“: Weltmeere erwärmen sich heute viermal schneller als vor vier Jahrzehnten

  • Bjarne Kommnick
    VonBjarne Kommnick
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Eine Analyse verdeutlicht, wie zügig die Temperatursteigerung der Meere vorangeht. Die Experten berichten von Rekordwerten an 450 Tagen hintereinander.

Reading – Der Klimawandel zeigt sich an vielen Stellen in voller Wucht. Während Deutschland mit der Drei-Grad-Grenze kämpft, haben Forschende herausgefunden, dass sich die Erde ohnehin schneller erhitzt als lange angenommen. Das zeigt sich auch in den Weltmeeren, wie eine Studie der University of Reading nun offenbart.

„Beispiellose Meerestemperaturen“ 2023 und Anfang 2024

Die Universität teilt auf ihrer Website mit, dass sich die Erwärmung der Ozeane in den vergangenen letzten vier Jahrzehnten mehr als vervierfacht hat. Das geht aus einer Studie hervor, die von Forschenden der Universität und dem National Center for Earth Observation am 28. Januar 2025 in Environmental Research Letters veröffentlicht wurde.

Die Meeresoberfläche erwärmt sich laut Wissenschaftlern immer schneller.

In der Studie sprechen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von „beispiellosen Meerestemperaturen“, zu denen es 2023 und Anfang 2024 gekommen ist. Demnach ist die Meerestemperatur Ende der 80er Jahre noch um 0,06 Grad Celsius pro Jahrzehnt gestiegen. Mittlerweile steigt sie jedoch um 0,27 Grad Celsius pro Jahrzehnt – Tendenz langfristig steigend.

Energieungleichgewicht führt zu schneller Erwärmung der Weltmeere

Professor Chris Merchant, Hauptautor an der University of Reading und am National Center for Earth Observation, erklärt in der Mitteilung: „Wenn die Ozeane eine Badewanne mit Wasser wären, dann lief in den 1980er Jahren der Warmwasserhahn langsam und erwärmte das Wasser nur um einen Bruchteil“. Jetzt würde das Warmwasser jedoch viel schneller laufen und die Erwärmung stark beschleunigen. „Der Weg, diese Erwärmung zu verlangsamen, besteht darin, den heißen Hahn zu schließen, indem man die globalen CO₂-Emissionen senkt und sich in Richtung Netto-Null bewegt.“

Die Temperatur steigt demnach aufgrund eines wachsenden Energieungleichgewicht der Erde. Mehr Energie von der Sonne wird auf der Erde absorbiert als in den Weltraum zurückgeht. Dieses Ungleichgewicht hat sich laut Studie seit 2010 verdoppelt und sei zum Teil auf eine wachsende Treibhausgaskonzentration zurückzuführen.

Erwärmung der Weltmeere: Forschende melden Rekordtemperaturen an 450 Tagen in Folge

Die Temperaturen der Weltmeere haben laut den Forschenden von 2023 bis Anfang 2024 an 450 Tagen in Folge Rekordtemperaturen festgestellt. Auch das Wetterphänomen El Niño war für einen Teil der Erwärmung verantwortlich. Insgesamt 44 Prozent der Rekordwärme waren jedoch auf die zunehmende Wärmeaufnahme der Ozeane zurückzuführen.

Mit einer Prognose für die Zukunft halten sich die Forschenden noch zurückhaltend. Es sei möglich, dass der Temperaturanstieg in den kommenden 20 Jahren einen Sprung in der gleichen Dimension machen könnte wie in den vergangenen 40 Jahren – und damit doppelt so schnell.

Weltmeere haben von 1960 bis 2010 mehr als zwei Prozent Sauerstoff verloren

Laut World Ocean Review dehnt sich wärmeres Wasser aus und verliert Sauerstoff. Damit sei einer der wichtigsten Grundsteine für das Leben im Ozean bedroht. Von 1960 bis 2010 haben die Weltmeere demnach mehr als zwei Prozent ihres Sauerstoffgehaltes verloren – und damit rund 77 Milliarden Tonnen O₂. Bereits vor einigen Jahren äußerten Forschende ernste Bedenken aufgrund der schnellen Erwärmung der Weltmeere.

Rubriklistenbild: © Joel Reyero/dpa

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