Sturz-Drama um Vonn in Crans Montana
Ski-Stars nach Rennabbruch völlig genervt – ZDF-Experte schäumt: „Frag‘ mal Lindsey Vonn“
VonChristoph Klauckeschließen
Die Abfahrt in Crans Montana endet im Chaos. Nach drei Stürzen bricht die Rennleitung ab. Die Ski-Stars sind fassungslos, ZDF-Experte Büchel tobt.
Was als eine der letzten Generalproben vor Olympia gedacht war, endete am Freitagvormittag in einem Fiasko. Die Weltcup-Abfahrt der Damen in Crans Montana wurde nach nur sechs Starterinnen abgebrochen. Drei Fahrerinnen stürzten, darunter die US-Amerikanerin Lindsey Vonn und die Norwegerin Marte Monsen. Die Entscheidung der Rennleitung sorgte für heftige Diskussionen und Unverständnis bei den Athletinnen am Starthaus.
Bereits Nina Ortlieb erwischte es als Startläuferin, die Österreicherin kam mit einem blauen Fleck am Kinn glimpflich davon, wie sie später berichtete. Marte Monsen hatte weniger Glück. Die Norwegerin stürzte kurz vor dem Ziel schwer, hielt sich das Knie und musste mit dem Rettungsschlitten abtransportiert werden. Dann erwischte es auch noch Lindsey Vonn, die nach einem weiten Sprung die Kontrolle verlor und im Fangnetz landete. Die 41-Jährige konnte zwar selbst ins Ziel fahren, fasste sich dabei aber immer wieder ans linke Knie.
Rennabbruch der Abfahrt in Crans Montana sorgt für Empörung bei Ski-Stars
Nach Vonns Sturz schickte die Rennleitung einen Vorläufer auf die Strecke, der von schwierigen Bedingungen berichtete. FIS-Renndirektor Peter Gerdol entschied daraufhin, das Rennen abzubrechen. Die Sicht habe sich verschlechtert, erklärte Gerdol laut Eurosport. Die Meteorologen hätten bestätigt, dass die Bedingungen noch schlechter werden sollten. Im Sinne der Sicherheit wolle man nicht zu viel riskieren, so der Renndirektor.
Doch diese Entscheidung stieß bei den wartenden Fahrerinnen auf massiven Widerstand. Die deutsche Kira Weidle-Winkelmann machte ihrem Ärger Luft. „Das ist lächerlich“, sagte sie laut hörbar im ZDF. Auch Breezy Johnson, Teamkollegin von Vonn, zeigte sich frustriert. Sie erinnerte daran, dass sie in diesem Winter schon bei schlechterer Sicht Rennen gefahren seien. Eine Fahrerin aus dem italienischen Team sagte: „Das ist Mist! Jeder Trainer hat gesagt, dass es okay ist.“
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Die Athletinnen im Startbereich, darunter auch Emma Aicher, diskutierten die Entscheidung aufgebracht untereinander. Sie argumentierten, dass die Sicht bereits im Training schlecht gewesen sei, aber gut genug zum Fahren. Alle wollten eigentlich starten, schließlich war es die letzte Abfahrt vor den Olympischen Spielen, die am 6. Februar in Italien beginnen.
Auch ZDF-Experte Marco Büchel äußerte während der Übertragung deutliche Kritik an der Entscheidung. „Ich kann die Absage nicht wirklich nachvollziehen, wenn man sagt, die Sicht ist nicht gut genug. Wir haben beim Vorläufer gesehen, dass die Sicht flach ist, aber es gibt keinen Nebel, von daher sieht man weit genug“, sagte Büchel. Natürlich wäre Sonnenschein besser, aber man habe sich zu sehr auf die Aussagen des Vorläufers gestützt. Peter Gerdol wolle hier nichts mehr riskieren, was menschlich nachvollziehbar sei.
Die Athletinnen am Start seien perplex und total überrascht gewesen, so Büchel weiter. „Die haben gesagt, das ist ein Witz, weil wir sehen ja alles gut genug.“ Die Fahrerinnen seien verärgert gewesen, es gebe heute noch ziemlich viel Kopfschütteln. Besonders bitter sei die Situation für die gestürzten Athletinnen. „Die Marte Monsen und die Lindsey Vonn, die sich vermutlich verletzt haben, die fragen sich ‚Ja, für was denn? Für was habe ich jetzt dieses Risiko genommen, wenn das Rennen dann abgesagt wird?‘ Die tun mir jetzt wirklich, wirklich leid“, sagte Büchel.
ZDF-Experte Büchel kann Rennabbruch nicht nachvollziehen und fühlt mit Vonn
Der ZDF-Kommentator hatte während der Übertragung bereits angemerkt, dass der Renndirektor auch die Gefahr von Verletzungen eine Woche vor Olympia mitdenken müsse. Das sei Teil seines Jobs. Darauf entgegnete Büchel: „Aber frag mal Lindsey Vonn. Dann fragt sie sich: ‚Für was?‘“ Eine Aussage, die die Absurdität der Situation auf den Punkt brachte. Vonn hatte das Risiko auf sich genommen, war gestürzt und muss nun bangen, ob sie bei Olympia starten kann.
Nur drei Fahrerinnen kamen überhaupt ins Ziel: Corinne Suter, Jacqueline Wiles und Romane Miradoli. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier führte die Stürze im ZDF auf individuelle skifahrerische Fehler zurück. Crans Montana sei schon immer eine schwierige Abfahrt gewesen, die ein gewisses Limit von den Frauen fordere. Die Präparation sei nicht schlecht, aber nicht ganz gleichmäßig, was eine extreme Herausforderung darstelle.
Nun bleibt abzuwarten, ob Vonn und Monsen rechtzeitig fit werden für die olympische Abfahrt am 8. Februar. Für beide wäre ein Ausfall ein herber Rückschlag. Vonn führt die Abfahrtswertung mit 400 Punkten an und galt als Topfavoritin auf Olympia-Gold. Am Samstag steht in Crans Montana noch der Super-G an, bevor die Speed-Königinnen nach Italien zu den Olympischen Spielen reisen. (ck)
Rubriklistenbild: © Screenshot/ZDF

