Mit 22 Jahren an der Spitze

Sensations-Lauf in St. Moritz: Emma Aicher gewinnt Abfahrt und düpiert auch Lindsey Vonn

  • VonIsabella Strehmann
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  • Tobias Ruf
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Einen Tag nach dem sensationellen Sieg von Lindsey Vonn hat Emma Aicher zurückgeschlagen. Die Deutsche gewann die Abfahrt in St. Moritz - hauchdünn vor der Amerikanerin.

St. Moritz - Nur wenige Minuten sah es nach dem zweiten Abfahrtssieg in Serie von Lindsey Vonn aus. Die 41-Jährige war mit der Startnummer 11 ins Rennen in St. Moritz gegangen. Am Freitag hatte sie ihren 83. Weltcup-Sieg bejubelt. Trotz einiger Fehler war die Amerikanerin erneut schnell unterwegs und übernahm im Ziel die Bestzeit von der Italienerin Sofia Goggia. Es sollte am Ende Emma Aicher sein, die den Doppel-Triumph von Vonn zunichte machte.

Ski alpin: Emma Aicher jubelt in St. Moritz.

Direkt nach Vonn ging die junge Deutsche auf die Strecke. Die 22-Jährige zeigte eine gefühlvolle und dynamische Fahrt und nahm Vonn bereits oben etwas Zeit ab. Aicher blieb stabil, baute ihren knappen Vorsprung aus und kam mit einem Vorsprung von 24 Hundertstel Sekunden ins Ziel. Ihr Jubel? Verständlicherweise grenzenlos.

Emma Aicher düpiert Lindsey Vonn und gewinnt Abfahrt von St. Moritz

Die Deutsch-Schwedin, die in dieser Saison bereits im Slalom aufs Treppchen fuhr, stellte ihr außergewöhnliches Talent und ihr Vielseitigkeit einmal mehr unter Beweis und feierte ihren dritten Weltcupsieg. Es war der zweite in einer Abfahrt. Damit unterstreicht sie abermals ihre Medaillen-Hoffnungen bei den Olympischen Spielen 2026.

„Ich bin sehr zufrieden. Heute habe ich versucht, den Ski mehr laufen zu lassen und mehr auf Zug zu fahren. Das hat super funktioniert, daher bin ich natürlich zufrieden“, sagte die für ihre wortkarge Art bekannte Aicher nach dem Rennen in der ARD. Experte Felix Neureuther war da wie gewohnt etwas emotionaler unterwegs und konnte sich angesichts des Resultats kaum noch beherrschen. „Yes, Baby“, brüllte er während Aichers Zieleinlauf.

Comebacks, Rekorde, Olympia-Drama: Die Berg-und-Talfahrt-Karriere der Ski-Queen Lindsey Vonn

Im April 2000 gewann Vonn (damals noch Kildow) mit 15 Jahren ihr erstes FIS-Rennen. Im November desselben Jahres folgte der erste Renn-Sieg beim Nor-Am-Cup.
Am 18. November 2000 nahm die US-Amerikanerin zum ersten Mal an einem Weltcuprennen teil. Beim Slalom von Aspen konnte sie sich allerdings nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren.
Ihre ersten Weltcup-Punkte holte Vonn am 15. Dezember 2001. Beim Super-G von Val-d’Isère stand sie am Ende auf Platz 26 und fuhr damit fünf Punkte ein.
Dann ihr erster großer Erfolg: Vonn qualifizierte sich für die Olympischen Winterspiele 2002. In der Alpinen Kombination wurde sie Sechste, unterbot damit ihre Bestleistung im Weltcup deutlich. Seitdem galt sie als eines der hoffnungsvollsten US-amerikanischen Ski-Talente.
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„Da hat die Emma mal den Finger gehoben und es allen gezeigt“, so der ARD-Fachmann weiter. Der 41-Jährige, der zuletzt einen gemeinsamen Werbespot mit Kumpel Bastian Schweinsteiger drehte, verriet sogar noch eine witzige Anekdote: Als Lindsey Vonn im November 2000 im Weltcup debütierte, war Emma Aicher noch nicht einmal geboren. Erst drei Jahre später erblickte sie das Licht der Welt.

Mit dem Coup von St. Moritz hat das junge Ausnahmetalent sicher für unzählige Jubelschreie in deutschen Wohnzimmern gesorgt – und einen ganz exklusiven von Felix Neureuther. Kira Weidle-Winkelmann wurde 14., hatte am Ende 1,34 Sekunden Rückstand auf die glückliche Siegerin. Die Messlatte, die sich Emma Aicher selbst hochgelegt hat, sie wandert. Und zwar immer weiter nach oben. (is,truf)

Rubriklistenbild: © IMAGO/GEPA pictures/ Matthias Hauer

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