Nach Start mit Kreuzbandriss

„Optimal gelaufen“: Hubschrauber-Pilot spricht über Vonn-Drama

Sekunden nach dem Start stürzt Lindsey Vonn bei der Olympia-Abfahrt schwer. Retter berichten nun von einem außergewöhnlichen Einsatz und dem dramatischen Kampf um die Ski-Legende.

Der Traum vom olympischen Abschied und einem bestmöglichen Karriereende endete für die US-amerikanische Ski-Queen Lindsey Vonn abrupt und schmerzhaft. Nur Sekunden nach dem Start der Olympia-Abfahrt in Cortina d’Ampezzo stürzte die Ski-Ikone schwer und blieb im Schnee liegen. Was als großes Comeback geplant war, wurde zum Albtraum. Dazu musste Vonn sehr aufwendig versorgt und abtransportiert werden.

Lindsey Vonn wurde nach ihrem Sturz mit dem Helikopter ins Krankenhaus gebracht.

Helikopterpilot Roberto Cit aus Belluno erinnerte sich jetzt an einen außergewöhnlichen Tag. Gegenüber Reuters beschrieb er den Einsatz als „wirklich besonders“ und hob die äußeren Bedingungen hervor: strahlender Sonnenschein und klare Sicht, ganz im Gegensatz zu den wetterbedingt schwierigen Trainingstagen zuvor. „Die Bedingungen heute waren optimal, und wir haben als Team sehr gut zusammengearbeitet“, sagte Cit und betonte die Präzision und Ruhe, mit der alle Beteiligten agierten.

Hubschrauber-Pilot spricht über Vonn-Unfall bei Olympia

Besonders das Zusammenspiel in der Luft und am Berg sei entscheidend gewesen. Cit lobte die enge Abstimmung mit der Bergrettung, der Krankenschwester und dem Arzt an Bord sowie mit der Windenmechanikerin während der heiklen Manöver am Hang. Mit einer rund 90 Meter langen Seilwinde wurde Vonn schließlich vom Berg geborgen und ausgeflogen.

Windenmechanikerin Annalisa Raffin schilderte den Ablauf nüchtern, aber eindringlich: „Sobald wir alarmiert wurden, sind wir sofort gestartet – der Pilot, ich selbst, der Techniker und der Arzt an Bord – und haben uns direkt ins Zielgebiet begeben.“ Die erste Station war das Codivilla-Putti-Krankenhaus in Cortina, wo Vonn mehrere Stunden medizinisch versorgt wurde.

Comebacks, Rekorde, Olympia-Drama: Die Berg-und-Talfahrt-Karriere der Ski-Queen Lindsey Vonn

Im April 2000 gewann Vonn (damals noch Kildow) mit 15 Jahren ihr erstes FIS-Rennen. Im November desselben Jahres folgte der erste Renn-Sieg beim Nor-Am-Cup.
Am 18. November 2000 nahm die US-Amerikanerin zum ersten Mal an einem Weltcuprennen teil. Beim Slalom von Aspen konnte sie sich allerdings nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren.
Ihre ersten Weltcup-Punkte holte Vonn am 15. Dezember 2001. Beim Super-G von Val-d’Isère stand sie am Ende auf Platz 26 und fuhr damit fünf Punkte ein.
Dann ihr erster großer Erfolg: Vonn qualifizierte sich für die Olympischen Winterspiele 2002. In der Alpinen Kombination wurde sie Sechste, unterbot damit ihre Bestleistung im Weltcup deutlich. Seitdem galt sie als eines der hoffnungsvollsten US-amerikanischen Ski-Talente.
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Anschließend folgte der Weitertransport ins Ca’-Foncello-Krankenhaus nach Treviso. „Der Flug vom Hubschrauberlandeplatz in Cortina zum Krankenhaus in Treviso dauert etwa 30 Minuten. Der Flug verlief perfekt, ohne irgendwelche Probleme“, erklärte Pilot Cit. In Treviso wurde Vonn am linken Bein operiert und anschließend auf der Intensivstation untergebracht – aus Gründen der Privatsphäre abgeschirmt, Polizeikräfte sichern noch immer das Krankenhausgelände.

Besonders tragisch: Vonn war trotz eines erst wenige Tage zuvor erlittenen Kreuzbandrisses an den Start gegangen. Schon nach wenigen Toren fädelte sie mit dem rechten Arm ein, verlor die Kontrolle und schlug heftig auf. Weitere Informationen zu ihrem Gesundheitszustand sollen am Montagmittag folgen. Die US-Amerikanerin hat sich allerdings wohl zusätzlich zu ihrem Kreuzbandriss das Bein gebrochen. (LF)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Daniel A. Anderson

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