„Es ist brutal“

Deutsche Olympia-Hoffnung weint in den Armen der Fahnenträgerin

  • VonLuca Hartmann
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Bitterer Olympia-Auftakt für die deutschen Skispringerinnen: Die erhoffte Medaille bleibt von der Normalschanze aus. Das sorgt für Ärger und Tränen.

Die erhoffte erste deutsche Medaille bei Olympia 2026 blieb am Samstagabend nur ein Traum. Auf der Normalschanze von Predazzo verpassten die deutschen Skispringerinnen den erhofften Sprung aufs Podest. Nach einem enttäuschenden Wettkampf haderte besonders eine mit den schwierigen Bedingungen und fand schließlich Trost in den Armen der deutschen Fahnenträgerin.

Skispringerin Agnes Reisch (r.) musste nach einer verpassten Olympia-Medaille getröstet werden.

Nach ihrem neunten Platz war Agnes Reisch untröstlich. Die 26-Jährige, die bereits nach dem ersten Durchgang auf dem neunten Rang und damit quasi außer Reichweite für eine Medaille lag, klagte emotional über die Windbedingungen: „Es ist brutal auf einer kleinen Schanze, gerade auf dieser. Dann noch so scheiß Bedingungen zu haben, ist ärgerlich.“ Reisch betonte, dass bei besseren Bedingungen definitiv „mehr drin gewesen“ wäre.

Nach verpatztem Olympia-Auftakt: Skispringerin Agnes Reisch wird von Katharina Schmid getröstet

Schließlich wurde die deutsche Springerin von ihren Emotionen überwältigt. Nach dem kurzen Interview in der Mixed Zone brach sie in Tränen aus und fand schließlich Trost in den Armen von Fahnenträgerin Katharina Schmid, die sie umarmte. Auch DSV-Sportdirektor Horst Hüttel sprach ihr Mut zu. Reisch erklärte zuvor, sie sei trotzdem stolz auf ihre Leistung: „Vor drei Jahren haben nicht mehr so viele an mich geglaubt, und dass ich überhaupt hier stehe, ist schon ein Gewinn für sich.“

Der Trost von Fahnenträgerin Schmid ist bemerkenswert, lief es für die zweimalige Olympia-Zweite von 2018 und 2022 doch selbst überhaupt nicht nach Plan. Die 29-Jährige landete auf einem enttäuschenden 16. Platz, ihr Olympia-Start fällt damit wie schon die gesamte Saison ernüchternd aus. Beste deutsche Springerin wurde derweil Selina Freitag als Siebte. Juliane Seyfarth hatte den 2. Durchgang als 32. knapp verpasst.

Von Pechstein bis Preuß: Deutschlands Olympia-Fahnenträger zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die olympischen Spiele 2026 in Mailand/Cortina werfen ihren Schatten voraus. Die große Eröffnungszeremonie findet am 6. Februar 2026 im Milano San Siro Olympic Stadium statt.
Die große Frage vor den Spielen, welche bislang ungeklärt ist, bleibt, wer die deutsche Fahne trägt. Seit einigen Jahren wählt Deutschland jeweils einen Sportler und eine Sportlerin aus. Hier sind die möglichen Kandidaten und Kandidatinnen als auch die ehemaligen Fahnenträgerinnen und Fahnenträger.
Möglicher Kandidat ist Vinzenz Geiger als zweimaliger Olympiasieger (Team-Gold 2018, Einzel-Gold 2022) und Gesamtweltcupsieger 2024/25. Als Fahnenträger würde er eine traditionsreiche Wintersportart repräsentieren, die nach der IOC-Streichung der Frauen-Kombination um ihr olympisches Überleben kämpft.
Johannes Lochner hat sich als ernsthafter Konkurrent von Francesco Friedrich etabliert und bereits das dritte Weltcup-Rennen der olympischen Saison 2025/26 gewonnen. Der Vizeweltmeister holte 2022 in Peking sowohl im Zweier- als auch im Viererbob jeweils Silber hinter Friedrich und kann 2026 durchaus um Gold mitfahren. Da Friedrich schon Fahnenträger war, kommt dieses Mal auch Lochner in die enge Auswahl.
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Die große Sensation des Abends war jedoch der überraschende Sieg von Anna Odine Ström aus Norwegen, die mit Sprüngen auf 100,0 und 101,0 Meter Topfavoritin Nika Prevc auf den Silberrang verwies. Die slowenische Weltmeisterin, die den Winter bislang dominiert hatte, brach nach dem verpassten Gold genau wie Reisch ebenfalls in Tränen aus. (LuHa)

Rubriklistenbild: © Anne-Christine POUJOULAT / AFP

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