Behörde nennt Details

Zahl der Rückrufe steigt – Auswertung zeigt den häufigsten Grund bei Lebensmitteln im Jahr 2023

  • Marc Dimitriu
    VonMarc Dimitriu
    schließen
  • Julia Hanigk
    Julia Hanigk
    schließen

Sind Lebensmittel unsicherer geworden? Fremdkörper, Salmonellen oder fehlende Hinweise auf allergene Zutaten führen zu immer mehr Rückrufen.

Kassel – Ob Spaghetti, Pizza oder Brot: Meldungen von Rückrufen gibt es fast jede Woche. Das Bundesamt für Verbrauchschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichte auf lebensmittelwarnung.de jetzt eine Jahresbilanz – ist unsere Nahrung unsicherer geworden?

Steigende Tendenz bei Lebensmittelrückrufen über die Jahre – kein Zuwachs zwischen 2022 und 2023

2023 wurden in Deutschland 308 Rückrufe zu Lebensmitteln und anderen Produkten auf einer offiziellen Behördenplattform veröffentlicht. Im Vergleich zu 2022 ist diese Zahl zwar konstant geblieben, im langfristigeren Vergleich über die Jahre ist die Tendenz aber steigend. Die Leiterin der BVL-Abteilung Lebensmittelsicherheit, Andrea Luger, erklärte dazu: „Die gleichbleibend hohe Zahl zeigt, dass die Unternehmen in Deutschland ihrer gesetzlichen Meldepflicht nachkommen.“

Bessere Verfahren und Marketingstrategien führen zu mehr Rückrufen

Öffentliche Rückrufe würden mittlerweile auch als Bestandteil eines verantwortungsvollen Managements gesehen, das Vertrauenswürdigkeit demonstriere, heißt es in der Mitteilung weiter. Aber nicht nur das, auch die Verfahren hätten sich verbessert. So werden mit heutigen Analysemethoden auch geringste Verunreinigungen gefunden.

Auf dem Portal werden Rückrufe von Unternehmen und Warnungen von Behörden zu Lebensmitteln, Kosmetik und Gegenständen wie Spielzeug gelistet. Es geht um Produkte, die etwa gesundheitsgefährdend sind oder durch die Verbraucher getäuscht werden könnten. Von Sommer an soll eine Neuentwicklung des Portals online gehen, wie das BVL ankündigte. Kommen soll demnach auch eine Smartphone-App. 

Rückrufe nehmen immer weiter zu. (Symbolbild)

Salmonellen als Hauptgrund für Rückrufe

Besonders auffällig bei den Untersuchungen war auch die Häufigkeit der Gründe, warum Produkte zurückgerufen werden. Das BVL teilte dazu mit: „Bei knapp einem Drittel waren mikrobiologische Kontaminationen Grund der Warnung.“ Die Hauptursache waren Salmonellen. Sie können bei Verzehr schwere Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen.

Was sind Salmonellen?

Bei Salmonellen handelt es sich um Bakterien, deren Stoffwechsel laut dem Bundesamt für Verbrauchschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) „beim Menschen eine akute Darmentzündung, die Salmonellose, auslösen können“.

Bei einer Salmonelleninfektion können Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber sowie Durchfall auftreten und mehrere Tage anhalten. Todesfälle durch Salmonellose sind laut dem Robert Koch-Institut in Deutschland aber selten. Menschen infizieren sich meistens über kontaminiertes Fleisch oder durch rohe, nicht genug erhitzte Eier.

Foodwatch fordert Warnungen per App, Newsletter und Internetseite

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisierte indes das Vorgehen bei Produktwarnungen. Demnach habe das System noch einige Schwachstellen, denn viele Verbraucherinnen und Verbraucher würden immer noch zu spät oder auch gar nicht von den vielen Produktwarnungen erfahren.

„Supermärkte müssen verpflichtet werden, alle Lebensmittelrückrufe gut sichtbar in ihren Filialen auszuhängen“, hieß es seitens der Organisation. Sie fordern weiter: Die Kontrollbehörden müssten Menschen zudem über einen Newsletter und eine Warn-App informieren und nicht nur über eine Internetseite. (jh/md mit dpa)

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa/picture alliance

Mehr zum Thema